Die Macht der Menschlichkeit
Die ganze Woche, Februar 2026
Die Bühne Baden bei Wien hat sich für die kommende Spielzeit ein bemerkenswertes Motto gegeben: die Macht der Menschlichkeit. Bemerkenswert deshalb, weil dies in all dem Kriegsgeschrei, Aufrüstung, Ausgrenzungen, Anfeindungen und Abgründen nicht selbstverständlich ist. Allein was man über die Hintergründe der Epstein-Affäre erfährt, könnte einem an der Menschheit zweifeln und den Glauben an das Gute verlieren lassen.
Doch die Empörung, ja das weltweite Entsetzen darüber zeigt, dass der Kompass für Menschlichkeit, Mitgefühl und das, was richtig ist und was falsch, was böse ist und was gut, nicht verloren gegangen ist. Zumindest nicht in der breiten Bevölkerung.
Gruppen, die sich für die Elite halten, denken, sie könnten sich alles erlauben, für sie würden keine Regeln gelten. Doch immer noch gibt es die Empathie, das Mit-Leiden, die Ablehnung von Krieg und Gewalt, die Sehnsucht nach Freiheit und Frieden.
Vielleicht ist dies auch das Motiv jener deutschen Soldaten, die sich nicht für einen Einsatz in Litauen melden wollen. Laut „Spiegel“ fehlen dem dortigen Bataillon rund die Hälfte der notwendigen Soldaten. Die Region gilt als besonders gefährdet für einen direkten militärischen Konflikt zwischen der Nato und Russland.
Wenn man all die schrecklichen Nachrichten sieht und liest, fühlt man sich oft ohnmächtig, hilflos, erschlagen, ausgeliefert. Und dennoch kann jeder Einzelne etwas tun für mehr Menschlichkeit, für das Gute. Ein kluger Mensch sagte unlängst, als Vorsatz in der Fastenzeit könnte man, anstatt bloß auf Süßes zu verzichten, Schlechte-Rede-Fasten. Es sich also verkneifen, hinterrücks schlecht über andere zu reden, über nicht Anwesende herzuziehen. Das ist schwer, denn die Versuchung ist groß.
Aber wenn es viele tun, ja selbst wann man es nur selbst tut oder zumindest versucht, dann bewirkt es etwas. Man wird vielleicht beginnen, das Positive beim Anderen zu sehen, freundlicher zu sein und nachsichtiger. Oder so, wie es sich der Intendant der Bühne Baden vorgenommen hat: menschlicher zu werden.