Qualitätsjournalismus ist notwendiger denn je

18.11.2021

„Die Medien“ sind in Verruf geraten. Es braucht aber einen kritischen und unabhängigen Journalismus.

Die Bombe, die vergangene Woche platzte, hatte es in sich. Sie erschütterte nicht nur die Politik, sondern auch die Medienlandschaft. Und das Erdbeben ist noch nicht zu Ende. Es ist ein mehr als peinliches, ja zutiefst verstörendes Sittenbild, das sich dem Bürger offenbart. Und es erschüttert nicht nur das Vertrauen in die Politik, sondern auch in die Medien.
Allzu zu leicht werden dabei alle Medien und Journalisten in einen Topf geworfen. Das schmerzt. Die Wechselbeziehung zwischen Politik und Medien ist an sich keineswegs verwerflich, sondern liegt in der Natur der Sache. Und es ist nicht immer leicht, den nötigen Abstand zu wahren. Die Versuchungen im Umfeld der Macht sind groß. Doch ist eine gewisse Distanz unabdingbar.
Auch hat es immer politische Einflussnahme oder zumindest die Versuche dazu gegeben, gleich bei welcher Regierungskonstellation. Natürlich will die Politik die Berichterstattung in für sie günstiger Weise beeinflussen. Das gilt für jede Pressekonferenz und jede Aussendung. Aufgabe der Journalisten ist es, kritisch zu hinterfragen und auch andere Sichtweisen zu Wort kommen zu lassen. Ganz gleich, um welches Thema es sich handelt. Und auch der Druck auf Medien und Journalisten ist nicht neu: So etwa die Drohung, Inserate zu stornieren, Interventionen oder wütende Anrufe in den Redaktionen.
Das Problem ist also nicht allein der Versuch der Einflussnahme, sondern wie Medien damit umgehen. Manche sehen darin offenbar ein profitables Geschäft: Positive Berichterstattung gegen Geld. Andere lehnen derartige Ansinnen entschieden ab. Man muss dem Druck nicht nachgeben, allerdings muss man dann die Konsequenzen in Kauf nehmen.
Es gibt allerdings einen entscheidenden Unterschied im Vergleich zu früheren Zeiten: Medien und Nachrichtenagenturen stehen heute finanziell unter Druck. Die Einnahmen aus Inseraten sind durch das Internet massiv zurückgegangen, Profiteure sind die Internet-Giganten. Und immer weniger Leser sind bereit, für redaktionelle Inhalte zu bezahlen. Waren Medien früher oft sehr profitabel, muss heute massiv der Rotstift angesetzt werden. Das führt dazu, dass man auf Inserate von Parteien, parteinahen Organisationen und Behörden mehr angewiesen ist als früher. Und es stehen immer weniger, immer schlechter bezahlte Redakteure, die immer mehr produzieren müssen, einer immer größeren Phalanx an Kommunikationsmitarbeitern gegenüber. Eine gefährliche Schieflage, die mitunter Auswirkungen auf die Qualität hat.
Doch hohe Qualität ist eine Überlebensfrage für traditionelle Medien. Eine möglichst objektive, ausgewogene, umfassende und überprüfte Information ist Voraussetzung für ihre Glaubwürdigkeit. Gibt man die Qualität auf und verliert die Glaubwürdigkeit, haben traditionelle Medien ihre Existenzberechtigung verloren. Dann kann man gleich im Internet herumsuchen, was man so findet.
Ein weiterer Trend trägt dazu bei, dass sich Bürger von Medien abwenden, ihre Abos stornieren oder den Fernseher abschalten: Das ist der Trend zum „Erziehungsjournalismus“. Im Vordergrund stehen dabei nicht mehr die Information der Leser, sondern die Haltung des Redakteurs und seine Mission. Jedoch sollten Leser und Seher zum Denken angeregt werden, statt ihnen das Denken abzunehmen und sie in eine bestimmte Richtung zu drängen. So etwa ist zu bemerken, dass immer weniger zwischen Bericht und Kommentar unterschieden wird. Auch bei Interviews hat man mitunter den Eindruck, der Fragende wisse die Antwort besser als der Interviewte, dem kaum ein Spielraum gelassen wird. Bezeichnend ist weiters, worüber nicht berichtet wird, denn auch damit können Leser und Zuseher in eine bestimmte Richtung gelenkt werden.
Es braucht also dringend weiterhin den Qualitätsjournalismus, der seine Grundregeln ernst nimmt. Nur so kann er glaubwürdig sein. Denn verlieren Medien ihre Glaubwürdigkeit, können sie ihre Kontrollfunktion nicht wahrnehmen und machen sich entbehrlich.