Wie wir unfrei werden:
Der Weg zur totalitären Gesellschaft
Seifert Verlag, ISBN 978-3-904123-57-0
Mai 2022, 240 Seiten
Leseprobe:
7. Wie kann Freiheit erhalten oder errungen werden?
„Man kann einen Teil des Volkes die ganze Zeit täuschen und das ganze Volk einen Teil der Zeit. Aber man kann nicht das gesamte Volk die ganze Zeit täuschen.“
Abraham Lincoln, 16. Präsident der USA
Es gibt derzeit mehrere Akteure auf der Welt, die kein Interesse an einer offenen, liberalen, und freien Gesellschaft haben. Das sind einerseits totalitäre und autoritäre Systeme, wie etwa China, Nordkorea, der Iran oder Russland. Sie wollen – mit unterschiedlichen Begründungen und Ideologien – die Menschen in Unfreiheit, Unterdrückung und unter totaler Kontrolle halten. Gleichzeitig wollen sie ihre Macht und ihren Einfluss ausbauen, und dies mit den klassischen Methoden: Geopolitisch durch Militäraktionen oder wirtschaftlich durch Expansion und Schaffung von Abhängigkeiten. Es ist recht offensichtlich, was diese Staaten anstreben und welcher Mittel sie sich bedienen, selbst wenn sie versuchen, dies mit schönen Worten zu kaschieren.
Auf der anderen Seite wird die Freiheit der Menschen und der Gesellschaft aber auch von Interessengruppen bedroht, die nicht so offensichtlich vorgehen. Sie entstammen selbst freiheitlichen, demokratischen und liberalen Systemen und haben davon profitiert, diese haben sie stark und mächtig gemacht. Diese Gruppen bedienen sich der Politik, der demokratischen Regierungen und internationaler Organisationen, um die Freiheit, die Grundrechte und die Selbstbestimmung der Bürger auszuhöhlen. Sie nutzen die vorhandenen Strukturen, sowie das Bedürfnis der Menschen nach Konsum, Bequemlichkeit, Sicherheit und Gesundheit aus, um ihre Agenda voranzutreiben. Sie geben vor, in altruistischer Weise zum Wohl aller Menschen zu handeln, streben aber letztlich bloß nach Profit und politischem und medialen Einfluss, um ihre Interessen zu wahren. Sie tun dies in dem sicheren Bewusstsein, dass sie als Weltelite einfach besser befähigt dazu seien als die breite Masse. Die breite Masse und die Demokratie als deren Werkzeug hätten nämlich versagt und könnten die Welt nicht vor ihrem Untergang retten. Es sei daher notwendig, dass sie selbst das Ruder übernehmen würden. Die Masse müsse nun eben auch Opfer bringen, damit das große Ziel erreicht werden könne. Eines der Opfer ist die Freiheit. (…)
Strategien gegen die totale Herrschaft
Die totalitären Systeme und Diktaturen des 21. Jahrhunderts kommen in einem sehr unterschiedlichen Gewand daher. Es existieren noch die Reste der totalitären Herrschaftssysteme des 20. Jahrhunderts, wie das kommunistische Nordkorea. Es gibt jene, die sich zu autokratischen und autoritären Systemen entwickeln, aber auf diesem Weg womöglich noch weitergehen hin zur Totalität, wie etwa Russland. Es gibt jene, die ein Goldkleid übergestreift haben, das sie nach außen wie eine westliche Wohlstandsgesellschaft erscheinen lässt, die aber im Kern zutiefst totalitär nach altem Muster sind, wie China. Und dann gibt es den neuen Totalitarismus, der sich als Dienstleister am Menschen tarnt, ihn aber letztlich völlig kontrollieren und beherrschen will. Dieser ist am schwersten zu fassen und weist jeglichen Vorwurf in diese Richtung als „Verschwörungstheorie“ weit von sich. Er redet von Humanismus und dem neuen, glücklichen Menschen, und meint eine programmierbare Synthese von Mensch und Maschine. Er redet von Glück und Fairness, und meint Herrschaft einer Elite über den Rest der Menschheit. Er predigt den Umweltschutz und steigt in seine Privatjets. Er preist die Segnungen der Wissenschaft und Technik, und will sie für seine Zwecke benutzen.
Buchpräsentation bei Thalia:
4. Mai 2022, Thalia Wien-Mitte
Die Buchpräsentation am 4. Mai in der Buchhandlung Thalia Wien-Mitte wurde regelrecht gestürmt. Der Andrang war riesengroß, sehr zur Freude von Verlegerin Maria Seifert und Filialleiter Klemens Hruska, der dies als Ende der Durststrecke nach der Pandemie für den Buchhandel deutete. Danke an die Besucherinnen und Besucher für die Geduld, dass sie sich so lange für eine Signierung in die Schlange stellten!
Rezensionen
“Mut zur Vernunft”
“Sind wir unfrei? Leben wir in einem totalitären System, ohne es zu wissen? Eben diesen Fragen widmet sich versiert die Historikerin und Bestsellerautorin Gudula Walterskirchen. Und mit dem Titel ihres neuen Buches liefert sie bereits die Antwort: „Wie wir unfrei werden. Der Weg zur totalitären Gesellschaft“. Warum ihr Werk dennoch lesen? Ganz einfach: Es lohnt sich.
Walterskirchen betätigt die Klaviatur der Soziologie und Sozialpsychologie im stocknüchternen decrescendo. Das mindert aber nicht ihre messerscharfen Analysen. Im Gegenteil. Bei dem andauernden medialen und aktivistischen Panikorchester im grell-ohrenbetäubenden crescendo, stellen ihre Analysen ein harmonisches Violinkonzert dar, dem man nur allzu gerne lauscht.”
(Deborah Ryszka)
“Kleine Zeitung”, Ernst Sittinger:
Walterskirchen hat sich (wie auch in ihren bisherigen Büchern) wieder akribisch in die Materie eingelesen. Tief taucht sie ein in Konzepte wie Transhumanismus und “Human Enhancement”, die mit der Vorstellung verbunden sind, auf künstlichem Weg den perfekten Menschen und das ewige Leben zu schaffen. Diagnose und Prognose wirken in manchen Details allzu schwarzseherisch. Das trübt aber nur unwesentlich die Qualität. Als Ausweg empfiehlt Walterskirchen kritisches Denken und die Pflege von Sozialkontakten und Freundschaften. Oder schlicht: Ein Plädoyer für die Menschlichkeit.
“Touché, touché et une fois touché! Bereits mit dem Inhaltsverzeichnis und den ersten Kapiteln sprechen Sie mir aus der Seele: „Denn die Geschichte hat gezeigt, dass Herrscher moralisch und intellektuell selten überdurchschnittlich, sondern vielmehr oft unterdurchschnittlich gewesen sind.”
Friedrich Ludwig, Leser
“Eine umsichtige und engagierte Warnung vor der Verengung des medialen und öffentlichen Diskurses”
Die Autorin will vor Entwicklungen warnen, die wir der unseligen Verbindung von globaler, wild gewordener Ökonomie, dem technologischen Fortschritt und den politischen Machtbestrebungen verdanken. Anlass des Buches ist die Tatsache, dass sich auch in unseren demokratischen Gesellschaften immer mehr autoritäre Züge der Politik abzeichnen.
Das Buch enthält eine umsichtige und engagierte Warnung vor der Verengung des medialen und öffentlichen Diskurses, der Zerstörung von Vertrauen, dem Machbarkeitswahn des Transhumanismus, dem durch Digitalisierung geschaffenen gläsernen Menschen, aber auch vor der moralischen Tarnung demokratisch-autoritärer Systeme. Die Begeisterung für die Digitalisierung wird in diesem Werk erheblich zurückgestutzt. Die Wege, die Walterskirchen aufweist, um unsere Freiheit zu bewahren, bestehen im Mut zum Engagement, in einem Glauben in die Kraft der Vernunft und im Widerstand gegen Ungerechtigkeit.
Ein Muss für all jene, die Unbehagen angesichts der derzeitigen Entwicklungen verspüren - vor allem aber für diejenigen, die an den Schalthebeln der Macht ihr Unwesen treiben!
Em.Univ.Prof. Dr. Peter Kampits, Philosoph
“Pflicht im C-Zeitalter
der staatlichen Unterdrückung”
“Viel Verweise auf Hannah Arendt, Vereinzelung und das ominöse "WIR". Die Autorin erklärt (auch für Mainstreamhörige Mitmenschen!) sehr verständlich WAS AKTUELL PASSIERT. Die Interviews aktuell mit der Autorin sind ebenfalls wie das Buch hörenswert. Thomas Külken stößt in ein sehr ähnliches Horn bei der Frage: WIE KANN/ KONNTE das alles mit der Masse der Menschen möglich sein?”