Familie ist Keimzelle, Kitt und Auffangnetz in einer Gesellschaft

01.01.2021

Zum Hochfest der Familie und mitten in einer Krise sollte wieder bewusst werden, dass Familien unersetzlich sind.

Weihnachten findet auch heuer statt, bewusster und authentischer als sonst. Es ist diesmal nicht einfach, einander zu treffen, beisammen zu sein. Die Sehnsucht nach Nähe ist dafür umso größer. Manche, die sonst familiäre Zusammenkünfte scheuen, sehen das vielleicht heuer anders. Weihnachten ist ein Fest der Familie, auch für jene, denen der religiöse Inhalt nicht wichtig ist. 

Gerade in diesem Jahr, einem Jahr der Krise, hat sich die Bedeutung und die Unersetzlichkeit der Familie deutlich gezeigt. Wenn von einem Tag zum anderen ein Land zugesperrt wird und mit ihm viele staatliche Institutionen, bleiben als Auffangnetz die Familien. Es sind die Eltern, vor allem die Mütter, die dann von einem Tag zum anderen zusätzlich zu ihrer beruflichen Herausforderung auch noch die Kinder betreuen und unterrichten müssen. Es ist die Familie, die sich um die Alten sorgt, die alten Eltern betreut. Schon in Normalzeiten wird der Großteil der Pflege von Angehörigen bewältigt, nun kommt noch die Krise dazu. Sie sind es, die einspringen (müssen), bis zur totalen Erschöpfung.

Aber mit der langen Dauer der Krise nimmt der Druck auf die Familien immer mehr zu. Finanzielle Sorgen, Enge, Überlastung, Stress – durch all das steigt auch die Verzweiflung und die Gewalt. Daher brauchen Familien Unterstützung, Verständnis, Hilfen, um all ihre Aufgaben zu bewältigen. Speziell Alleinerzieherinnen stehen oft am Abgrund. In Ansätzen hat die Politik das auch verstanden, auch wenn es noch viel Luft nach oben gibt. Die Regierung hat etwa Betreuungseinrichtungen offengelassen und einen Notfallfonds für Familien eingerichtet. 

Es gibt jedoch Ideologien, die trotz der offensichtlichen Überforderung des Staates die unersetzliche Funktion der Familie negieren und die Familie einzig als Problem sehen. Sie fördern nicht das Funktionieren dieser wichtigen Keimzelle der Gesellschaft, sondern ihre Auflösung. So etwa wird in dem 212 Seiten umfassenden Koalitionsvertrag zwischen Wiener SPÖ und NEOS die Familie nur im Zusammenhang mit Gewalt und Krise erwähnt. Statt ihr soll es mehr Staat, Ganztagsschulen, ganztägige Betreuung in Krippen und Kindergärten geben. Man will sich dem „konservativen Backlash“ der Bundesregierung entgegenstellen, heißt es. Jedoch: Ein Kind, das noch nicht einmal laufen kann, braucht Bindung, nicht Bildung! Und zu „Generationen und Miteinander“ fiel den Parteien nicht mehr ein, als ein Programm zur „Bekämpfung der Einsamkeit“ durch Seniorenbüros und Pensionistenwohnhäuser.

Seit Jahrzehnten zieht der Staat immer mehr Aufgaben an sich. In totalitären Systemen konnte und kann man das in reinster Ausformung beobachten. Doch es hat sich immer wieder gezeigt, dass der Staat nicht alles kann und es auch nicht soll. Kleine soziale Einheiten wie die Familie oder eine andere Form einer konstanten sozialen Gemeinschaft sind unersetzbar. Hier lernt der Mensch Geborgenheit, Liebe, Verständnis, dauerhafte Beziehungen, Empathie. Sie leisten damit Wertvolles für die Gesellschaft. 

Natürlich klappt es mit diesem Idealbild oft nicht. Familien sind auch zerbrechlich.  Und leider sind Familien auch Orte von Gewalt, Streit und Leid. Hier braucht es Solidarität und Hilfe: Für die Alleinerzieherinnen, die Scheidungskinder, die Opfer von Gewalt. Aber das ändert nichts daran, dass wir am Konzept festhalten sollten und Familie nicht nur als Problemzone sehen dürfen. Denn dann passiert das, was wir am Koalitionsabkommen in Wien ablesen können: Es wird nur noch gefördert, was Familien am Familienleben, an ihren Aufgaben hindert. Das erhöht dann die Gefahr, dass Familie nicht gelingt. Familien brauchen Rahmenbedingungen für ihr Gelingen. Sie brauchen Zeit für Beziehung, Entlastung und Raum zur Entfaltung. Und dann stehen die Chancen gut, dass sie eigene und gesellschaftliche Krisen gut meistern können. Der Staat alleine kann das nämlich nicht. Das hat er hinlänglich bewiesen.