Pflegeheime werden nicht durch geschlossene Schulen geschützt

04.12.2020

Politik- und Behördenversagen sind die Hauptursache, warum die Pflegeheime (wieder) zu Hotspots werden konnten. Es werden wiederum falsche Prioritäten gesetzt.

 

Während die Schulen und Kindergärten geschlossen sind und das Land im Lockdown ist, häufen sich die Todesfälle in Heimen. Die aktuelle Situation erinnert fatal an das Frühjahr. Was ist da los, fragt man sich als Beobachter?

Es ist eine rätselhafte Entwicklung, die sich bereits Ende des Sommers abzeichnete: In den Senioren- und Pflegeheimen stiegen plötzlich die Corona-Fälle und Todesraten. Nun haben sie einen traurigen Rekord erreicht: Mehr als die Hälfte der in den letzten Wochen in Zusammenhang mit Corona Verstorbenen wohnten in einem Pflegeheim. 

Fragt man bei Insidern nach den Ursachen, ergibt sich ein erschreckendes Bild: Vor allem in vielen öffentlichen Heimen gibt es offenbar gar keine oder viel zu wenige Antigen-Tests und FFP2-Schutzmasken! Das führt dazu, dass Heimmitarbeiter und Bewohner dort bisher kaum oder gar nicht getestet wurden. Die öffentlichen Heime müssen erst mühsam langwierige bürokratische Hürden überwinden, um das Material zu erhalten. So hat man wertvolle Zeit versäumt! Zeitgleich wird für Massentestungen von Nicht-Risikogruppen geworben. Die Stadt Wien etwa hat in großem Stil Testkits für die Teststraßen eingekauft, die in den Heimen dringend benötigt würden.

Es ergibt sich ein ähnliches Bild wie im Frühjahr: Damals hatte man auf die Heime völlig vergessen, die Politik und die sie beratenden Experten konzentrierten sich auf die Spitäler und deren drohende Überlastung. Prävention gab es vor allem für die Gesunden: Es wurden im Supermarkt Masken verschenkt, während die Leiter von Heimen und mobilen Pflegediensten sowie die niedergelassenen Ärzte nicht einmal ausreichend OP-Masken ergattern konnten. Der Weltmarkt war leergekauft.

Nachdem wir seit Beginn der Pandemie wissen, dass Pflegeheime besonders sensible Orte sind, hat der Gesundheitsminister im Oktober (!) verkündet, dass es einen Plan zum Schutz der Heime brauche. Ein wenig spät. Und was nützen Strategien, wenn sie nicht umgesetzt und es in der Praxis nicht einmal das Material dazu gibt? Was den Cocktail noch gefährlicher macht, ist eine kürzlich ergangene Verordnung, wonach positiv Getestete, die als nicht ansteckend eingestuft werden, in Heimen und Spitälern Dienst machen können oder sogar sollen. Es gibt ja einen Personalengpass – der übrigens nicht überraschend auftritt, sondern seit Jahren akut ist. 

So kommt es, dass nun viele Ungetestete ohne wirksamen Schutz oder positiv Getestete in den Heimen Dienst tun! Da hilft den Patienten kein Besuchsverbot und keine Ausgangssperre, die sie in die Einsamkeit treibt, weil die Gefahr im Haus selbst umhergeht. Wobei die Mitarbeiter keine Schuld trifft, es sind die Behörden und die Politik, die hier wiederum nachlässig und nicht vorbereitet sind.

Allerdings ist auch interessant, dass Insider beobachten, dass es bei alten Menschen mittlerweile seltener zu schweren Verläufen komme, oft gebe es Zufallsbefunde bei völliger Symptomlosigkeit. Aufgrund der insgesamt hohen Ansteckungsraten komme es dennoch zu mehr Todesfällen im Zusammenhang mit Covid 19.

Die aktuelle Entwicklung sollte endlich im Gesundheitsministerium, bei den Gesundheitsbehörden und bei den Ländern, in deren Trägerschaft die Mehrzahl der Heime steht, die Alarmglocken schrillen lassen. Die Zeit drängt, jeder Tag zählt. Man sollte endlich die Vorerkrankten und Hochbetagten in den Fokus nehmen und diese effektiv schützen. Stattdessen haben wir wiederum einen Lockdown, bei dem die Gesunden und die Kinder, also die nicht gefährdeten Gruppen, eingeschränkt werden, ohne einen Effekt auf die vulnerablen Gruppen. Denn was nützt es einem Bewohner eines Pflegeheims, wenn die Schulkinder zu Hause bleiben müssen und deren Mütter völlig überlastet im Home office verzweifeln, wenn das Pflegepersonal ungetestet ist und keine effektiven Schutzmasken trägt? Genau - gar nichts!