Europa erlebt das Ergebnis einer falsch verstandenen Toleranz

12.11.2020

Gewalt gegen „Ungläubige“ ist ein Muster, kein Einzelfall. Die Islamisten wollen ein moralisch-religiöses Prinzip durchsetzen – nicht nur mit Terror.

„Grande Terreur“ – unter diesem Begriff ging die Schreckensherrschaft der Jakobiner in Frankreich Ende des 18. Jahrhunderts in die Geschichtsbücher ein. Ihr Anführer Robespierre definierte diese Herrschaft so: „Terror ist nichts anderes als rasche, strenge und unbeugsame Gerechtigkeit. Er ist eine Offenbarung der Tugend.“ Genau so hätten die Attentäter von Paris und Wien und die IS-Kämpfer in Syrien ihre Greueltaten begründen können. Terror ist für sie kein krimineller Akt, sie wollen nicht bloß Angst und Schrecken verbreiten, sondern er hat für sie eine moralische Dimension. 

In den Siebzigerjahren hielt die linksradikale „Rote Armee Fraktion“ ganz Europa in Atem. Als die Terroristen gefasst waren, ging der Schrecken zu Ende. Das ist beim Terror der Islamisten anders. Das Predigen von Gewalt findet nicht nur in einer kleinen kriminellen Gruppe statt, sondern in vielen Moscheen der zweitgrößten Religionsgemeinschaft weltweit. 

Auch der politische Islam streckt sehr erfolgreich seine Arme nach Europa aus. Das kann man am Beispiel des türkischen Präsidenten beobachten, einem Freund der Muslimbrüder, der offen von einem neuen Osmanischen Reich spricht. Die Türkei unterhält in Deutschland und Österreich Hunderte Moscheen, die der türkischen Religionsbehörde unterstehen. Dort werden die Gläubigen auf die Eroberungsideologie Erdogans eingeschworen und zur Ablehnung des westlich-liberalen Staates erzogen. In Europa haben sich längst radikale Gruppierungen wie die Salafisten und die Muslimbrüder festgesaugt und Institutionen infiltriert oder aufgebaut. Die immer zahlreicher werdenden Attentate auf Juden, Christen und Islamkritiker sind das Ergebnis

Jene Muslime, die der Doktrin der Islamisten nicht folgen, sondern die Offenheit, Gewaltverzicht, Respekt für Andersgläubige und den liberalen Rechtsstaat vorziehen, sind massiven Repressalien ausgesetzt. Das reicht vom Druck auf Mädchen, nicht mit „Ungläubigen“ Umgang zu haben, bis zu Morddrohungen. Muslime, die den Islamismus kritisieren, werden mit dem Tod bedroht. Hamed Abdel-Samad und Ahmad Mansour etwa müssen seit Jahren unter Polizeischutz leben. Abdel-Samad kritisierte kürzlich zu Recht, dass durch eine falsch verstandene Toleranz die Radikalen gestärkt worden seien. Man habe zugelassen, dass die Intoleranten ihre Infrastruktur aufbauen konnten und uns ihre „Werte“ aufzwingen.

Leider ist das tatsächlich so. Österreich tat lange Zeit so, als gäbe es hierzulande kaum Probleme. Man müsse nur genug Verständnis aufbringen, unsere Werte erklären, den interreligiösen Dialog pflegen und Toleranz üben. Das mag alles gut gemeint gewesen sein. Was allerdings verabsäumt wurde, war, eine klare Grenze und Konsequenzen zu ziehen, wenn diese überschritten wurde: Als etwa die Spitze der Islamischen Glaubensgemeinschaft sich mit Muslimbrüdern zu einer Konferenz traf, um über die Zukunft des Islam in Europa zu beraten, wurde nicht einmal eine Rechtfertigung gefordert. Im Gegenteil zeigen sich religiöse und politische Repräsentanten weiterhin gerne mit diesen Leuten und akzeptieren, dass sie sich als Vertreter aller Muslime in Österreich gerieren.

Gemäßigten und liberalen Stimmen im Islam schenkte man hingegen kaum Gehör. Erst unter Bundeskanzler Kurz änderte sich dies. Als die Regierung jedoch die dringend notwendige „Dokumentationsstelle Politischer Islam“ einrichtete, hagelte es von den Toleranten Kritik. Man fiel wieder einmal auf den Trick der Islamisten hinein, die jede Kritik als „Islamophobie“ brandmarken.

Der Kampf gegen den radikalen Islam kann nicht allein von der Politik oder der Polizei geführt werden. Gefordert sind wir alle. Die Frage ist jedoch, welche Grenzen wir ziehen, wie entschlossen wir unsere Werte verteidigen und welche Kräfte wir unterstützen. Denn letztendlich muss er von den Muslimen selbst bekämpft werden.