Der mehrere Milliarden Euro teure Schmäh mit dem Ökostrom

29.10.2020

Durch das Erneuerbaren Ausbau Gesetz werden wir nur auf dem Papier klimaneutral. In der Realität gefährdet es die Versorgung und erzeugt neue Probleme.

In den 80er Jahren haben sie gegen Atomkraftwerke und Hainburg demonstriert. Heute sind ihre Nachfahren endlich an den Schalthebeln der Macht, und die wollen sie nützen. Es soll ein großer Wurf der Grünen werden, das sogenannte „Eneuerbaren Ausbau Gesetz“. In wenigen Tagen läuft die Begutachtungsfrist ab, mit 2021 soll es in Kraft treten. 

Auf den ersten Blick wirkt das Vorhaben dieses Ökostromgesetzes, denn der Fokus liegt auf dem Strom, großartig: Bereits 2030 soll Österreich ausschließlich mit erneuerbarer Energie versorgt werden. Gigantische 27 Terrawattstunden sollen zusätzlich produziert werden. Mehrere Milliarden Euro an Steuergeld sollen in dieses Vorhaben fließen. 

Auf den zweiten Blick offenbaren sich aber eklatante Schönheitsfehler und wesentliche offene Fragen in der schönen neuen Ökoenergie-Welt. So etwa müssten Hunderte, ja Tausende zusätzliche Windkraftanlagen gebaut werden. Diese haben aber auch Nachteile: Sie zerstören das Landschaftsbild und haben nachweislich Auswirkungen auf das Mikroklima. Eine Studie der Harvard-Universität ergab etwa, dass Windparks die Umgebungstemperatur ansteigen lassen und Trockenheit begünstigen. Je größer sie sind, desto mehr. Diese Studien scheinen allerdings niemanden im Umweltministerium interessiert zu haben. Die Bewilligung der Anlagen obliegt übrigens auch künftig den Ländern, die praktischerweise durch ihre Energieversorger die Mehrzahl der Windräder betreiben.

Einen großen Beitrag zur Energieerzeugung sollen Solaranlagen liefern. Nun ist es durchaus sinnvoll, Dächer dafür zu nutzen. Baut man jedoch die Felder zu, wird es problematisch. Auch die Wasserkraft soll eine Rolle spielen, die ist jedoch bereits ziemlich ausgereizt und deren Ausbau durch Umweltauflagen stark eingeschränkt. So einfach ist das alles also nicht.

Dazu kommt, dass alle diese Energieformen instabil und unzuverlässig sind. Die Stromnetze sind bereits jetzt extrem wackelig und am Rande eines Blackouts. Und woher nehmen wir den Strom, wenn es windstill ist, keine Sonne scheint, nachts und bei Niedrigwasser? Das kommt in Österreich sehr häufig vor, vor allem im Winter, wenn der Energiebedarf besonders hoch ist. Zünden wir dann Kerzen an und wärmen uns am Lagerfeuer? 

Österreich importiert bereits heute vor allem im Winter wesentlich mehr Strom als es erzeugt. Das wird sich in Zukunft noch verstärken, weil man vor allem auf Strom setzt. Grünes Gas etwa spielt im neuen Gesetz keine Rolle. Hier tut sich jedoch eine gewaltige Lücke auf, denn derzeit besteht unser Energiebedarf nur zu 20 Prozent aus Strom, der Großteil von 80 Prozent aus Öl und Gas. Die Devise lautet aber: „Raus aus Öl und Gas“. Wie will man diese Lücke schließen, wenn man vermehrt auf Strom setzt? Die Erneuerbaren werden diesen Mehrbedarf nicht decken können. Das bedeutet, dass noch mehr Strom aus Atomkraft, Erdgas, Öl und Kohle importieren werden muss.

Wir geben also Milliarden aus, damit wir auf dem Papier Öko-Musterknaben sind, in Wahrheit aber kaum etwas für den Klimaschutz getan haben und die Atomlobby sich die Hände reibt. Und das alles, damit Österreich rein rechnerisch gut dasteht. Der Umwelt ist es aber bekanntlich egal, wo der Dreck produziert und in die Luft geblasen wird. Und die AKWs werden direkt an unseren Staatsgrenzen eifrig ausgebaut. Die Vorväter der grünen Regierungsriege würden sich im Grabe umdrehen!

 

Die Absicht der Regierung mag lauter sein, einige Vorhaben sind überfällig und positiv. Die Umsetzung wird aber neue Probleme schaffen und alte verschärfen. Außerdem neigen die Grünen zu einer Elitenpolitik, für jene, die es sich leisten können, und zu einer Verbotspolitik. Bezahlen dürfen das alles nämlich die privaten Haushalte und die Steuerzahler. Und es wäre doch überlegenswert, dass unterschiedliche Energieformen für eine leistbare und sichere Energieversorgung besser wären als ein einseitiges Setzen auf Strom.