Warum das unsägliche „C“-Wort jetzt auf Sommerpause gehen sollte

12.10.2020

Seit Monaten wird Alarmismus betrieben. Nun ist es Zeit, dass in der Berichterstattung wieder das rechte Maß einkehrt.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich kenne mich nicht mehr aus. Nämlich was das „C“-Wort betrifft, das seit Monaten die Schlagzeilen beherrscht. Zuerst war ein fernes Phänomen in China. Es war den Medien nur eine Kurznachricht wert. Und dann kam das neue Virus, schlug in unserer unmittelbaren Nachbarschaft ein. Die Schlagzeilen überschlugen sich, ein schreckliches Bild jagte das andere. Angst breitete sich aus. Unsere Regierung reagierte rasch. Dem ganzen Land wurde Stillstand verordnet. Als Ziel dieses kollektiven Hausarrests wurde ausgegeben, „italienische Verhältnisse“ zu vermeiden. Die Intensivstationen dürften nicht überlastet werden, daher sollten wir unsere Kontakte um ein Drittel reduzieren. Das war eine klare Botschaft. Masken hielt man für nicht empfehlenswert. Man sprach von einer „Herdenimmunität“, die es zu erreichen gelte, und die Infektionen auf Monate zu verteilen.

Einige Tage später hieß es dann, es werde „hunderttausend Tote“ in Österreich geben, wenn wir nicht zu Hause bleiben würden. Und Masken seien nun doch sinnvoll, ja Pflicht, auch wenn es viel zu wenige gab. Das Ziel war jetzt, gar keine Kontakte außer mit der engsten Familie zu haben. Selbstisolation also. Da begannen die ersten zu murren, so war das nicht ausgemacht gewesen. Jeden Tag gab es die Verlautbarung der Zahlen der Toten, die das Virus dahingerafft habe. Eigentlich wusste man es gar nicht so genau, denn Obduktionen hielt man für sinnlos, ja gefährlich. Auch die Zahl der Infektionen und Ansteckungsraten wurde aufs Komma genau bekanntgegeben – ohne zu wissen, wie viele wirklich infiziert waren. Als Ziel wurde angegeben, auf ein wirksames Medikament oder einen Impfstoff zu warten, bis man wieder in normal würde leben können.

Je länger die kollektive Quarantäne dauerte, desto lauter wurde das Murren der einen und die Angst der anderen. Die Kluft wurde tiefer, die Aggression stieg. Das Ziel lautete nun, den Anstieg „abzuflachen“, bis auf eine Rate unter 1. Als diese längst erreicht war, gingen die Argumente aus. Auch der baldige Impfstoff erwies sich als Illusion. Daher wurde langsam wieder aufgemacht. Schritt für Schritt. Die Medien berichteten ebenso folgsam die Lockerungen, wie sie die Verbote kommuniziert hatten. Kritische Stimmen blieben aus oder die Ausnahme. Dabei war die Politik in Wahrheit ja selbst unsicher, die Expertenmeinungen widersprüchlich, und das sind sie bis heute. Kein Wunder bei einer neuen Krankheit.

Das Ziel der Maßnahmen verschwimmt immer mehr. Nun heißt es, Neuinfektionen seien möglichst zu vermeiden. Und wieder spielen die Medien mit. Wurde vor wenigen Wochen über jeden einzelnen „Corona-Toten“ berichtet, so ist mittlerweile jeder Infizierte, selbst ohne Symptome, eine Schlagzeile oder zumindest einen Bericht wert. Dass die Zahl der Tests gestiegen ist und daher auch mehr Infektionen bekannt werden, wird ignoriert. Die gute Nachricht, dass trotz Öffnungen und relativ normalem Leben kein nennenswerter Anstieg zu verzeichnen ist, ist keinen Aufmacher wert. Und es wird auch nicht hinterfragt, ob das Ziel, möglichst keine Neuinfektionen zuzulassen, nicht unrealistisch und unverantwortlich ist. Die weiteren Kollateralschäden wären gravierend. 

Es ist Zeit, dass die Devise „only bad news are good news“ endlich entsorgt wird und das „C“-Wort aus den Schlagzeilen verschwindet und zumindest in die Sommerpause geht. Und es ist Zeit, endlich wieder das rechte Maß zu finden und wir Journalisten uns auf unsere Verantwortung besinnen, nicht Angst und Panik zu schüren, sondern die Dinge der Realität entsprechend richtig zu gewichten und kritisch zu hinterfragen. Denn es fehlt ein klares, realistisches Ziel und eine klare, einheitliche Vorgangsweise. Daher werden sowohl die Ängstlichen als auch die Sorglosen immer extremer, ebenso die Spaltung der Gesellschaft und die Aggressionen. Es ist Schluss mit „Miteinander“.