Jedes Opfer eines Terroranschlags ist es wert, dass wir trauern

05.04.2019

Warum wird bei Morden an Muslimen und jenen an Christen in den öffentlichen Reaktionen mit zweierlei Maß gemessen?

Seit Tagen beherrschen die schrecklichen Morde des Attentäters von Christchurch die Nachrichten, auch in Europa dominierte die Tat die Schlagzeilen und Meldungen. Weltweit wurde diese Bluttat an unschuldigen Menschen verurteilt. Auch in Österreich haben Repräsentanten vom Bundespräsidenten und Kardinal abwärts ihre Anteilnahme bekundet und die Tat verurteilt. Das ist gut und richtig, denn es macht deutlich, dass es sich hier schlicht um ein Verbrechen handelt. Auch Christen in muslimischen Ländern, wie jene in Pakistan, haben zum Gebet für die Opfer aufgerufen – obwohl sie selbst unter den Repressalien und der Verfolgung durch Muslime leiden; Ein beeindruckendes Beispiel christlicher Nächsten- und Feindesliebe.

Dennoch stimmt in dieser globalen Trauer und Erschütterung einiges nicht. So hat der türkische Präsident die Tat eines einzelnen Verbrechers in seinem Wahlkampf dazu benützt, gegen die Christen im Allgemeinen und den Westen im Besonderen zu hetzen. Somit ist er mitverantwortlich für Anschläge auf unschuldige Menschen, wie kurz darauf in Utrecht. Am Tag nach dem Attentat von Christchurch hat sich ein führender Muslimbruder in Deutschland zu Wort gemeldet, von einem „Krieg der Christen gegen Muslime“ gesprochen und mehr Rechte für den Islam eingefordert.  Diese Aussagen machen deutlich, dass genau hier die Trennlinie zwischen Hetzern und Friedfertigen verläuft, und nicht zwischen Christen und Muslimen.

Irritierend ist bei den Reaktionen auf das Attentat, dass in Neuseeland viele Menschen, angefangen von der Premierministerin, ausgerechnet mit einem Kopftuch ihre Solidarität mit den Opfern bekundeten. Offenbar war ihnen die Symbolwirkung nicht wirklich klar. Weltweit werden Frauen drangsaliert und gefoltert, weil sie die Verschleierung verweigern. Vor wenigen Tagen erst ist die iranische Anwältin Nasrin Satandeh zu 33 Jahren Kerker und 148 (!) Peitschenhieben verurteilt worden, weil sie das Kopftuch ablehnt. Im Iran werden auf Frauen Säureattentate verübt, weil sie ihr Gesicht nicht verschleiern. Eine derartige Solidaritätsgeste ist daher höchst unangebracht und ein Verrat an diesen Opfern.

Angesichts des aktuellen globalen Mitgefühls ist die Stille umso dröhnender, wenn es um verfolgte Christen geht. Der Aufschrei, wenn Christen getötet, wegen ihres Glaubens gefoltert, drangsaliert oder bedroht werden, bleibt meist aus. Manchmal findet sich eine kleine Randnotiz, mehr nicht. Wenn sich ein Politiker aus der Deckung wagt und die Christenverfolgung anprangert, erntet er heftige mediale Schelte. Selbst christliche Würdenträger sind vorsichtig, dies öffentlich zu thematisieren, warum auch immer. Und von den Regierungen muslimischer Länder hört man in solchen Fällen meist kein Wort des Bedauerns, wenn sie nicht sogar die Verfolgung aktiv befördern oder selbst anordnen.

Keine Zeile findet sich in heimischen Medien über die aktuelle Verfolgung von Christen in Nigeria, in den letzten Wochen wurden schätzungsweise mehr als 130 von ihnen ermordet. In 50 Staaten weltweit werden heute an die 200 Millionen Christen verfolgt. Muslimische Konvertiten werden selbst in Europa bedroht. Angesichts dieser Zahlen stellt sich die Frage: Warum kümmert das die Politik und die Medien in Europa kaum? Warum protestiert man nicht gegen diese systematische Verfolgung? Warum solidarisiert man sich nicht auch mit diesen Opfern? Sind sie weniger wert? Was will man damit bezwecken, wenn man Verfolgung und Attentate auf Christen verschämt verschweigt? Meint man, das Zusammenleben im eigenen Land zu gefährden, wenn man sich solidarisch mit ihnen zeigt? Wie glaubwürdig sind diese Teilnahme, diese Schlagzeilen über Christchurch, wenn man hier mit zweierlei Maß misst? Ist nicht das Eintreten für Menschenrechte nur dann glaubwürdig, wenn man es ungeachtet von Herkunft und Religion tut? Es sollte doch jeder Mensch gleich viel zählen, oder?