Frauen in Not brauchen gute Beratung, Zeit und Alternativen

12.09.2018

Frauen, die eine Abtreibung erwägen, werden meist nicht umfassend informiert. Es fehlt oft die Grundlage für eine wohlüberlegte Entscheidung und gezielte Unterstützung.

Die Abstimmung in Irland über die Abtreibung hat auch in Österreich das Thema aufs Tapet gebracht. Allerdings nur in der üblichen verkürzten Form. Es wird in Irland wohl auf eine Regelung ähnlich wie in Österreich hinauslaufen: Ein weiteres Verbot der Abtreibung, jedoch Straffreiheit bis zum Ende der 12. Schwangerschaftswoche. So tragisch es ist, wenn eine Frau sich entschließt, ihr Kind nicht zu behalten, so ist eine jahrelange Gefängnisstrafe wohl nicht die richtige Antwort auf diese schwere Konfliktsituation.

Es steht zu erwarten, dass sich nach einiger Zeit die Diskussion ebenso entwickelt wie hierzulande, nämlich dass aus einer Straffreiheit ein „Recht auf Abtreibung“ abgeleitet wird und Alternativen und Probleme zunehmend ausgeblendet werden. In Österreich wurde im Zuge der Einführung der Fristenlösung zugesagt, dass Frauen ausreichend beraten und unterstützt würden, um Abtreibungen möglichst zu vermeiden, etwa durch den Ausbau von Beratungsstellen und gezielte finanzielle Unterstützung für hilfsbedürftige Frauen. Nichts davon wurde eingehalten. Wir wissen nach mehr als 40 Jahren nicht einmal, warum Frauen sich außerstande sehen, ihr Kind auf die Welt zu bringen. Es gibt immer noch – anders als in den meisten anderen europäischen Ländern – darüber keine offiziellen Erhebungen und nicht einmal absolute Zahlen. Gezielte Hilfe und Vermeidung von Konfliktsituationen ist daher nicht möglich. Alles bleibt bewegt sich auf dem Gebiet der Vermutungen.

Es gibt zwar unabhängige Beratungsstellen für Schwangere, doch finden viele betroffene Frauen den Weg dorthin nicht. Meist klärt der behandelnde Arzt in einer Abtreibungsklinik speziell über die medizinische Vorgehensweise auf. Auf einschlägigen Seiten im Internet, die für viele die Erstinformation bieten, werden zumeist psychische Folgen gänzlich in Abrede gestellt und körperliche, wie etwa das erhöhte Risiko einer Fehlgeburt, als „Märchen“ bezeichnet. Abtreibung wird als Instrument der Erhaltung der „Gesundheit“ dargestellt. Es werden nur jene Studien zitiert – wenn überhaupt –, die diese Sichtweise untermauern, jene, die zu einem gegenteiligen Ergebnis kommen, verschwiegen. Dazu kommt, dass Abtreibungskliniken ein kommerzielles Interesse haben. Dies würde sie umso mehr verpflichten, auf die Folgen und mögliche Risiken aufmerksam zu machen.

Frauen haben keine garantierte Bedenkzeit, um das Für und Wider in Ruhe abzuwägen. In den meisten Ländern ist eine drei- bis siebentägige Bedenkzeit gesetzlich vorgeschrieben, die zwischen der Erstberatung und dem Abtreibungstermin eingehalten werden muss. Dies soll den zeitlichen Druck nehmen. In Österreich ist das anders. Bei sonstigen chirurgischen Eingriffen (außer bei akuten Notfällen) ist jedoch sehr wohl eine „ausreichende“ Bedenkzeit vorgeschrieben. Im Jahr 2016 bekam ein Kläger beim OGH recht, bei dem zwischen Aufklärung und Operation der Hüfte „nur“ 24 Stunden Zeit lagen. Selbst bei Schönheits-Operationen, wie etwa Liftings, sind einige Tage Bedenkzeit verpflichtend. Nun ist eine Abtreibung wohl ein Eingriff mit wesentlich gravierenderen Auswirkungen als die Straffung der Gesichtshaut.

Von Abtreibungsbefürwortern wird die Freiheit und Selbstbestimmung der Frau als Argument angeführt. Um jedoch eine freie Entscheidung treffen zu können, muss eine umfassende Information auch über Risiken und Alternativen geboten werden. Ob diese vom Arzt oder einer Beratungsstelle erfolgt, ist dabei nicht so entscheidend, wie der ergebnisoffene Ansatz.

Bewusste Desinformation und Bagatellisierung einer Abtreibung sowie deren Folgen sind keine geeigneten Grundlagen für eine freie Entscheidung. Dies bevormundet Frauen ebenso wie die Androhung einer Gefängnisstrafe. Diese Frauen in einer Notsituation dann noch finanziell und seelisch alleine zu lassen, sind keine guten Voraussetzungen, Abtreibungen so weit als möglich „obsolet“ (© Bruno Kreisky) zu machen.