Was Frauen wollen sollen und worüber man nicht sprechen darf

24.04.2018

Viel war zuletzt von den Frauenrechten die Rede. Dabei gab es leider ebenso viel Verlogenheit, Doppelmoral und Einseitigkeit.

Die Mee-too-Kampagne war ein Prototyp dafür, wie eine an sich gute Sache rasch in ihr Gegenteil verkehrt werden kann. Es war gut und notwendig, sexuelle Übergriffe öffentlich zu thematisieren, damit sie nicht mehr als Kavaliersdelikt gelten. Scharenweise traten etwa US-Schauspielerinnen in Schwarz auf, um die Missetaten anzuprangern, die ihnen und ihren Kolleginnen angetan wurden. Allerdings waren etliche unter ihnen, die nichts dabei finden, eine fremde Frau, oder besser deren Uterus, zu mieten, um ihr Kind austragen zu lassen. Es selbst zu tun, könnte ja der Figur schaden. Es ist zutiefst verlogen, Frauenrechte nur dann einzufordern, wenn es um das eigene Heil geht, sie ansonsten aber, wie im Fall der Leihmutterschaft, mit Füßen zu treten. Leihmutterschaft ist eine der schlimmsten Formen der Ausbeutung von Frauen. In Österreich hat sich kürzlich eine Initiative gegründet, die für ein weltweites Verbot der Leihmutterschaft eintritt (www.stoppt-leihmutterschaft.at).

Dröhnendes Schweigen herrscht bei vielen Frauenrechtlerinnen, wenn es um die systematische Frauenunterdrückung und -entrechtung in Afrika und in der islamischen Welt geht, die sich mittlerweile auch in Europa bemerkbar macht. Wo bleibt die Solidarität mit Opfern von Genitalverstümmelung, Zwangsheirat, Kinderehe und Zwangsverschleierung? Hierzulande richtet sich die Empörung etlicher Feministinnen nicht dagegen, sondern gegen Frauen, die dagegen auftreten. So erntete die neue SP-Parteimanagerin in Wien von den eigenen Genossinnen Proteste, weil sie sich gegen die Verschleierung von Kindern aussprach.

Ähnlich doppelmoralisch verläuft die Debatte – oder besser Nicht-Debatte – über die Abtreibung. Da wurde etwa im Frauenvolksbegehren das Recht auf Gratis-Verhütungsmitteln und auf Gratis-Abtreibung in einem Atemzug genannt. Als ob dies dasselbe wäre. Und Abtreibung als „Recht“ zu betrachten, zeugt vom Verlust jeglicher Ethik, denn wo bleibt das Lebensrecht des Kindes? Wo bleibt die Sensibilität für den seelischen Schaden, den Frauen dabei nehmen? Und wo bleibt die Verantwortung der Männer und der Gesellschaft, damit Abtreibungen erst gar nicht als Lösung erscheinen? Und wo bleibt schließlich das Recht der Ärzte, Hebammen und Krankenpfleger, die gezwungen würden, Abtreibungen durchzuführen? Ach ja, in Österreich darf man über Abtreibung ja nicht diskutieren, das ist „fundamentalistisch“. Man darf nicht einmal die Zahlen wissen oder die Motive, um helfen zu können. Da lässt man die Frauen mit diesem schwerwiegenden Konflikt lieber allein.

Und ist es wirklich ein Fortschritt und eine Befreiung der Frauen, wenn sie durch ihre Arbeitgeber und die Politik dazu gedrängt werden, ihre Kinder möglichst bald nach der Geburt in Fremdbetreuung zu geben? Bekommen Eltern deshalb Kinder, damit sie diese möglichst selten im Wachzustand erleben? Oder müssen sie es nicht vielfach tun, weil sie sonst an ihrem Arbeitsplatz oder finanziell Schwierigkeiten bekommen? Wo bleibt das Recht der Kinder? Wieso lässt man Eltern nicht die Zeit, die ersten kostbaren Jahre? Wieso hat die Politik immer mehr Hürden eingebaut, die es Eltern erschweren, ihre Kinder selbst zu betreuen? Ein besonders gravierendes Problem ist etwa die Umstellung bei der Berechnung der Pensionsansprüche: Waren es früher die 15 „besten“ Jahre, so wird heute weitgehend durchgerechnet. Jedes Monat Familienarbeit oder Teilzeit wirkt sich dauerhaft negativ auf die Pensionshöhe aus. Das ist ein klarer Nachteil für Frauen (und einige wenige mutige Männer, die das Risiko einer Karenz eingehen).

Es ist Zeit, den Frauen nicht mehr aus ideologischer Verblendung oder wegen der Interessen der Wirtschaft einen Lebensplan aufzuzwingen, der ihnen (und ihren Kindern) nicht gut tut. Es braucht echte Gestaltungsmöglichkeiten bei fairen Bedingungen. Es braucht eine Politik, die von den Bedürfnissen der Frauen, Männer, Eltern und Kinder ausgeht. Ansonsten werden uns bald die Kinder ausgehen.