Weltspitze aus Österreich: Eine Jugend, die hoffen lässt

28.02.2018

Unter den 30 interessantesten und erfolgreichsten Jungforschern und –unternehmern in Europa finden sich auf der „Forbes“-Liste wieder einige Österreicher.

Wer hat nicht schon schallend gelacht, wenn er oder sie die aktuellsten Meldungen der „Tagespresse“ las. Das Online-Satiremedium ist längst kein Geheimtipp mehr und formuliert stets treffend, witzig, ohne dabei beleidigend zu sein. Der Erfinder, Fritz Jergitsch, ist erst 26 und bereits eine Institution. Die 29-jährige Johanna Pirker von der TU Graz entwickelte ein virtuelles Physiklabor, das Lernmethoden revolutioniert. Sie sind unter jenen elf jungen Österreichern auf dem zum dritten Mal erstellten Ranking des renommierten US-Wirtschaftsmagazins „Forbes“, im exklusiven Zirkel der interessantesten Persönlichkeiten Europas unter 30 Jahren.

In der Kategorie Technologie reiht Forbes den erst 25-jährigen Julian Schrittwieser ganz nach vorne, der bereits mit 20 vom Weltkonzern Google in London angeworben wurde. Dort entwickelte er federführend die künstliche Intelligenz mit. Dies anhand eines Spiels, das ihn schon als Schüler des Stiftsgymnasiums Melk fasziniert hatte, nämlich dem vor allem in Asien gespielten „Go“. Im Vorjahr schlug das selbstlernende Computerprogramm „AlphaGo“ den weltbesten Go-Spieler und ist seither in der Fachwelt eine Sensation. Das Unternehmen, in dem lauter blutjunge Menschen aus aller Welt arbeiten, nennt sich „DeepMind“ und bastelt bereits eifrig an Weiterentwicklungen der künstlichen Intelligenz.

Alle diese Beispiele zeigen, dass auch sehr junge Menschen ganz Außerordentliches leisten und leisten können. Und es zeigt, dass Österreich immer wieder außerordentliche Talente hervorbringen kann; Trotz vieler Probleme im Bildungsbereich und an den Universitäten. Eine Massenuni allerdings kann diesen jungen Leuten nicht viel bieten. Erst kürzlich schlugen Wissenschaftler wieder Alarm, dass viele Jungforscher Österreich verlassen und ihre berufliche Zukunft im Ausland suchen. Das ist sehr schade. Nun können wir nicht so leicht mit den Möglichkeiten und Arbeitsbedingungen eines Weltkonzerns mithalten. Aber einfach zuzusehen, wie die klügsten Köpfe abwandern, kann auch nicht das Ziel sein. Hier gilt es etwa, das System der Forschungsförderung und der prekären Arbeitsverhältnisse der Jungforscher zu reformieren.

Diese Beispiele zeigen, dass die aktuelle Tendenz der Älteren, der Jugend Kompetenz abzusprechen, nur weil sie eben jung sind, völlig verfehlt ist. So etwa, als die deutsche Moderatorin Maischberger Kanzler Sebastian Kurz kürzlich in ihrer Talk-Show hämisch nach seinem Studienabschluss fragte. Das ist nicht nur respektlos, sondern die typische Selbstgefälligkeit der Vertreterin einer Generation, die selbst nicht viel zustande gebracht hat.

Die Beispiele der jungen Talente auf der Forbes-Liste zeigen auch, dass es hoch an der Zeit ist, sich wieder mehr auf Vorbilder und auf die Förderung der Besten zu konzentrieren, statt immer nur an jenen, die sich schwertun. Denn das führt unweigerlich zu einer Nivellierung nach unten. Das heißt nicht, dass man auch weniger Begabte fördern soll, aber auf ihre Weise und auf ein anderes (Berufs-) Ziel hin. So gesehen ist es völlig verfehlt, alle – ob begabt oder nicht – in Richtung Gymnasium und Uni zu schleusen. Das tut jenen nicht gut, die damit überfordert werden und schadet den Begabten, die unter den schlechten Bedingungen zu leiden haben und ihr Potential nicht voll ausschöpfen können.

Seien wir auch einfach einmal stolz auf diese Jugend. Fördern wir die Jugend, wo immer sie es braucht. Ermutigen wir junge Leute, statt ihnen das Gefühl zu geben, sie müssten sich stets mit den hinteren Plätzen begnügen, denn die Babyboomer hätten bereits alles belegt und da sei kein Platz mehr. Diese Einstellung spiegelt sich im System der Bezahlung, bei dem man allein aufgrund des Alters vorrückt. Chancengleichheit ist natürlich anstrengender und herausfordernder, als sich auf die Rolle desjenigen zurückzuziehen, der allein seines Alters wegen der Überlegene ist. Aber die Zukunft, das sind die Jungen.