Drama Myanmar: Der Papst als Hoffnung für Muslime und Christen

16.01.2018

Die Muslime in Myanmar setzen ihre Hoffnung ausgerechnet auf den christlichen Papst. Für die Medien ist die Verfolgung der Christen in dieser Region hingegen kein Thema.

In ungewöhnlicher Weise und Intensität richtete sich in der vergangenen Woche die mediale Aufmerksamkeit auf das Oberhaupt der katholischen Kirche. Der Besuch des Papstes in Myanmar war ein diplomatischer Drahtseilakt mit hoher Absturzgefahr, bei dem fatale Konsequenzen für Teile der Bevölkerung des Landes drohten. Zwei Aspekte fielen dabei besonders auf:

Ausgerechnet  der katholische Oberhirte sollte in einem buddhistisch geprägten Land für die Rechte der verfolgten muslimischen Minderheit eintreten; So die Erwartung nicht nur der westlichen Medienöffentlichkeit, sondern auch der Muslime im Land. Dies erstaunt, offenbar gibt es in der muslimischen Welt niemanden, keinen geistlichen Führer, dem sie diese Autorität und diesen Einsatz zutrauen. Sie vertrauen ausgerechnet auf den christlichen Papst. Dieses Vertrauen berührt und zeigt, dass das Christentum eine moralische Autorität und Glaubwürdigkeit besitzt, die wir im Westen als selbstverständlich oder viele gar störend empfinden.

Gebannt wartete man auf die Worte des Papstes bei jedem öffentlichen Auftritt, ob er die Rohingyas und ihr Leid öffentlich ansprechen würde oder nicht. Er tat es mehrmals, zögerte jedoch, die verfolgte muslimische Minderheit beim Namen zu nennen. Er war im Vorfeld von christlichen einheimischen Würdenträgern dringend gebeten worden, dies nicht zu tun. Sie fürchteten Repressionen für die Christen in Myanmar.

Und das mit gutem Grund. Dies ist der zweite bemerkenswerte Aspekt des Papst-Besuches in Myanmar: Bei all der weltweiten medialen Aufmerksamkeit, die diese Visite begleitete, konzentrierte man sich ausschließlich auf die Situation der Rohingyas. Diese ist in der Tat dramatisch, Hunderttausende wurden verfolgt und sind nach Bangladesch geflüchtet, wo sie unter menschenunwürdigen Bedingungen leben. Allerdings ist die muslimische Minderheit nicht die einzige, die in Myanmar seit Jahren systematisch unterdrückt und verfolgt wird, sondern auch die christliche Minderheit. Das vom Militär trotz freier Wahlen noch immer weitgehend kontrollierte Land setzt Buddhismus mit Nationalismus gleich, alle Nicht-Buddhisten gelten als Fremde im eigenen Land. Doch bis auf Radio Vatikan hat kein einziges Medium über die Situation der Christen in Myanmar und in Bangladesch, der nächsten Reiseetappe des Papstes, näher berichtet. Warum?

Dies ist kein Ausnahmefall. Obwohl Christen die weltweit mit Abstand am meisten verfolgte religiöse Gruppe sind, kümmern sich westliche Medien und Regierungen selten darum. So etwa tangiert die Verfolgung der Christen im Irak kaum jemand, dabei ist das Ausmaß dramatisch: Im Jahr 2003 lebten im Irak noch 1,4 Millionen Christen, heute kaum mehr als 300.000. Erst im August hat die UN auf die Lage der Jesiden hingewiesen und von einem Genozid gesprochen. Die mediale Aufmerksamkeit und jene der Regierungen christlich geprägter Länder war endenwollend. In Ägypten werden immer wieder Anschläge auf Christen verübt. In Pakistan hat seit Einführung des sogenannten „Blasphemiegesetzes“ die Gewalt gegen Christen dramatisch zugenommen. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

Um auf die Verfolgung von mehr als 200 Millionen Christen weltweit hinzuweisen, setzen Nicht-Regierungs-Organisationen immer wieder Zeichen. Im November gab es den „Red Wednesday“, an dem in einigen europäischen Hauptstädten wichtige Sehenswürdigkeiten in rotes Licht getaucht wurden. Am 12. Dezember findet in Wien ein Fackelzug statt. Im Vorjahr war diese Veranstaltung  von der Polizei wegen Gegendemonstrationen abgebrochen worden, etliche Teilnehmer wurden von Passanten bespuckt und verletzt.

Empathie darf nicht auf eine bestimmte religiöse oder ethnische Gruppe beschränkt sein, sie sollte für alle Menschen gelten, die in Not sind und wegen ihrer Überzeugung verfolgt werden. Das hat Papst Franziskus bei seinem Besuch in Myanmar eindrucksvoll gezeigt.