Jugend darf kein Nachteil sein Sie hat sich eine Chance verdient

16.01.2018

In der ÖVP hat die Jugend das Ruder übernommen, die Neos wurden von Jungen gegründet. Aber auch in anderen Parteien sollten sie eine wichtigere Rolle spielen.

Demografisch gesehen sind die Jungen hierzulande die Verlierer, sie werden immer weniger. Aber politisch läuft der Trend seit einigen Jahren in die gegengesetzte Richtung. Die Jungen gewinnen immer mehr an Einfluss. Wie passt das zusammen, wo sie doch immer weniger Wähler stellen?

Lange Zeit dachte man, nur mit Politik für Ältere Wahlen gewinnen zu können. Dies war mit ein Grund, warum die Pensionsreform mit einschneidenden Maßnahmen immer wieder aufgeschoben oder verwässert wurde. Die Parteien waren dominiert von gesetzten Herren und älteren Damen. Wollten Junge ran, erinnerte man mit Grauen an Jörg Haiders „Buberl-Partie“ und was die alles angerichtet hatte. Man äußerte Zweifel am Wahlrecht ab 16, die Jugend sei zu beeinflussbar und unreif, um eine Wahlentscheidung treffen zu können. Die Parteijugend wurde nicht ernst genommen, man ließ sie halt dagegen sein und verwies sie auf die hinteren Plätze.

Doch nun zeigt sich, dass eine völlig andere Generation politisch mitmischt. Die Jugend ist nicht nur politisch hoch interessiert, sie ist auch zunehmend bereit, Politik mit zu gestalten, und das sehr konstruktiv. Da ist einmal die Gründung der Neos zu nennen, die aus einer Abspaltung von einigen jungen VP-lern entstanden ist, die sich in ihrer Partei nicht ernst genommen oder von den starren Strukturen erstickt fühlten. Mittlerweile sind sie eine etablierte Kraft und könnten im neugewählten Parlament ein entscheidendes Zünglein an der Waage sein. In der FPÖ versucht man es ebenfalls mit jungen Spitzenleute, wie etwa in Salzburg mit Marlene Svazek oder in Oberösterreich mit Manfred Haimbuchner, die bisher durchwegs gut ankommen.

Die Parteijugend der Grünen wiederum ließ sich nicht den Mund verbieten, man schloss sie aus, was den Anfang vom Ende der Grünen im Parlament bedeutete. Der Generationenstreit löste eine schwere Krise in der vor Jahrzehnten jungen Partei aus, die plötzlich sichtlich gealtert dasteht und sich nun neu finden muss.

In der SPÖ wiederum, der zweiten Partei in der Krise, spielt die Parteijugend eine absolut untergeordnete Rolle. Das ist schon optisch merkbar, wenn man sich die Reihen der Spitzenfunktionäre in Bund und Ländern ansieht. Eine der wenigen Ausnahmen ist der steirische Landeshauptmann-Stellvertreter Michael Schickhofer, der immer wieder mit innovativen Ideen und pragmatischer Linie positiv auffällt. Den heute 37-Jährigen hatte man anfangs wegen seiner Jugend in seiner Partei völlig unterschätzt, zu Unrecht, wie sich bald herausstellte.

Am augenscheinlichsten ist die neue Rolle, die der Jugend zukommt, bei der ÖVP. Ausgerechnet in einer als reaktionär geltenden Partei, dominiert noch vor kurzem von älteren Herren und verkrusteten Machtstrukturen, hat die Jugend nicht nur eine bedeutsame Rolle erhalten, sondern man hat ihr freiwillig die zentrale Macht übertragen. Dieses Vertrauen in die Parteijugend, allen voran in Sebastian Kurz, hat sich bisher absolut gelohnt. Einerseits hat diese der Partei zu einem noch vor wenigen Monaten undenkbar erscheinenden Wahlsieg verholfen. Andererseits hat sie das verhindert, was die SPÖ angeblich als ihr wichtigstes Wahlziel erachtete, das sie aber niemals mit diesem miserablen Wahlkampf geschafft hätte: Die FPÖ als Nummer eins zu verhindern. Das sollten jene Unbelehrbaren bedenken, wenn sie Kurz in höchst unfairer, hetzerischer Weise mit Nazis und Faschisten gleichsetzen und im Ausland Alarm schlagen.

Angesichts der guten Performance der Jungen, ihrem hohen Verantwortungsbewusstsein, ihrem Pragmatismus und ihrer Professionalität wären auch SPÖ und Grüne gut beraten, der Jugend insgesamt mehr Beachtung zu schenken und Verantwortung zu übertragen. Die Jugend, ob in oder außerhalb der Politik, wird sicher auch nicht alles richtig machen, aber sie hat eine Chance verdient. Und schließlich geht es um ihre Zukunft. Einen Vertrauensvorschuss der Wähler hat sie jedenfalls.