Kettenreaktion von Bevölkerungsexplosion, Migration und Weltklima

06.10.2017

In der Debatte um E-Mobilität wird auf die fatalen Auswirkungen der Bevölkerungsexplosion und die Umweltprobleme in Afrika vergessen.

Kürzlich wurde uns wieder eine beklemmende Prognose in Erinnerung gerufen: In etwa 80 Jahren wird die Weltbevölkerung auf mehr als elf Milliarden Menschen wachsen. Die Folgen werden dramatisch sein: Wie wird man so viele Menschen ernähren? Welche Auswirkungen hat dies auf die Umwelt, das Klima? Haben so viele Menschen überhaupt Platz auf unserem Planeten?

Interessant ist es, sieht man sich einzelne Länder in der Rückschau an: In Europa stagnierte die Bevölkerung nahezu, sie wuchs nur durch Zuwanderung von anderen Kontinenten. Österreich etwa verzeichnete im Jahr 1960 etwa 7 Millionen Einwohner, derzeit sind es 8,7 Millionen. Hingegen hat vor allem Afrika in den vergangenen 50 bis 60 Jahren eine wahre Bevölkerungsexplosion verzeichnet. Auch im arabischen Raum und in reichen Ländern dort steigt die Bevölkerungszahl rasant: So hat sich in Saudiarabien die Bevölkerung seit 1960 verzehnfacht.

Und das Wachstum geht weiter. Bis 2050, so die Prognose, wird sich die Zahl der Afrikaner verdoppeln. Zwar sinkt die Fertilität, aber die Lebenserwartung steigt auch in Entwicklungsländern. Derzeit bekommt in Niger eine Frau durchschnittlich sieben bis acht Kinder, in Südafrika sind es zwei. Allein diese Menschen zu ernähren, ist eine Herausforderung und hat weitreichende Folgen für das Weltklima und die Umwelt, darin sind sich die Wissenschaftler einig.

In Sachen Umweltpolitik sind wir auf Europa, Asien und die USA fokussiert und vergessen dabei, dass in den Ländern mit rasantem Bevölkerungswachstum riesige Umweltprobleme bestehen und noch zunehmen. Auch in Afrika gehen die Menschen nicht mehr zu Fuß, sondern sind motorisiert. Sie fahren mit uralten, aus den Industrieländern importierten Autos und Mopeds, wahren Stinkbomben. Täglich transportieren Frachtschiffe Güter, die uns zu alt oder umweltschädlich sind, nach Afrika. Während wir über E-Mobilität, Abgasnormen und zu wenig effiziente Katalysatoren diskutieren, verfrachten wir unsere Umweltbomben in die sogenannten Entwicklungsländer und verdienen auch noch daran. Seit Jahrzehnten wird Afrika von den entwickelten Ländern als Sondermülldeponie missbraucht. Es müssten in den Debatten um das Weltklima also vermehrt die Zustände in diesen Ländern berücksichtigt werden.

Die explodierende Weltbevölkerung macht auch deutlich, dass weder mit dem Errichten von Mauern noch mit der Aufnahme von Migranten das Problem gelöst werden kann. In der Diskussion um offene oder geschlossene Grenzen wird allzu leicht auf die Ursachen der massenweisen Abwanderung vergessen: Es ist diesen Ländern einfach nicht möglich, so vielen Menschen ausreichende Lebensbedingungen und eine Perspektive zu bieten. Es müsste also nicht das Ziel sein, noch mehr junge Menschen in Europa aufzunehmen, wo sie ebenfalls keine Perspektive haben, sondern in deren Herkunftsländer zu investieren. Ein großartiges Beispiel sind etwa die Mikrokredite, durch die sich Menschen selbst ein kleines Unternehmen aufbauen können, ohne ihre Heimat verlassen zu müssen. Eine gesicherte, wenn auch bescheidene Existenz hat weitreichende positive Folgen. Die Erfahrung zeigt, dass mehr Bildung für Frauen und eine ökonomische Unabhängigkeit zu einer geringeren Kinderzahl führen. Frauen brauchen die Chance, über die Zahl ihrer Kinder selbst zu entscheiden, mit einer verantwortungsvollen und ethisch vertretbaren Familienplanung. Es gibt in etlichen Ländern Afrikas bereits entsprechende Kampagnen, doch vielen Frauen fehlen die Möglichkeiten und das Wissen dazu.

Es stimmt, dass wir als Bewohner von industrialisierten Staaten eine besondere Verantwortung tragen, weil wir zu viele Ressourcen verbrauchen. Es muss dringend eine Trendumkehr geben. So ist es ein Schritt in die richtige Richtung, wenn es bei uns mehr E-Autos und Windräder gibt. Aber wenn wir gleichzeitig unsere Schrottautos nach Afrika entsorgen, bringt das dem Weltklima gar nichts. Es ist fahrlässig, den Blick nur auf uns selbst zu richten und dabei andere Länder und Kontinente zu vergessen.