Privilegien sind ein Bumerang für Mitarbeiter der Generation 50plus

06.09.2017

Beschäftigungsinitiativen für ältere Arbeitslose werden wenig bringen, solange das System nicht auf Leistungsorientierung umgestellt ist.

Wahrscheinlich haben auch Sie einen oder gar mehrere Betroffene im Bekanntenkreis: Eine tüchtige, einsatzbereite und im Beruf erfolgreiche Person, die im Alter von etwa 50 Jahren vom Betrieb gekündigt oder hinaus gemobbt wird. Der Grund für den plötzlichen Wandel von einem verdienten Mitarbeiter zu einem Ballast, den man abwerfen will: Man kommt dem Unternehmen zu teuer. Stichwort Biennien. Außerdem werden nach und nach eine Reihe anderer Vorteile schlagend, die die Gewerkschaften im Laufe der Jahrzehnte heraus verhandelt haben oder als Wahlzuckerln von der Politik verteilt wurden, wie etwa mehr Urlaubsanspruch oder ein stärkerer Kündigungsschutz im aufrechten Dienstverhältnis.

Hier liegt eine der Ursachen, warum wir in Österreich einen relativ hohen Anteil an Langzeitarbeitslosen über 50 haben. Angesichts der Tatsache, dass die Generation der Babyboomer bald vollzählig in dieser Altersklasse zu finden ist, wird die Zahl wohl noch steigen. Es liegt nicht allein an den Fähigkeiten, denn betroffen sind auch Hochqualifizierte. Nach- oder Umschulungen werden daher nicht viel bringen. Ob Einstellprämien und Fördermaßnahmen, die von der Politik noch rasch vor der Wahl beschlossen wurden, etwas bringen, wird man erst sehen. Und es sind nicht nur Branchen betroffen, die besonders zu kämpfen haben, wie etwa Bau, Handel oder Banken, sondern auch staatsnahe Betriebe. Den Mitarbeitern des ORF etwa, der nicht im freien Wettbewerb steht, wird in diesem Alter in der Regel dringend nahegelegt, sich in die Frühpension zu verabschieden und den Platz für junge und billige Kräfte freizumachen. Versüßt wird das Ganze mit einem „Golden Handshake“.

Sicher ist, dass die Maßnahmen zur (Wieder-)Einstellung von über 50-Jährigen, wie etwa die Aktion „50plus“ oder die „Aktion 20.000“ viel zu kurz greifen und das Pferd von der falschen Seite aufgezäumt wird. Es wurde nämlich in der Debatte völlig ausgeblendet, warum die älteren Arbeitnehmer so stark von den Kündigungen betroffen sind, wo doch die Konjunktur wieder anzieht. Und es wurde nicht darüber nachgedacht, was man tun könnte, damit es gar nicht erst so weit kommt, dass Unternehmen die Älteren vor die Tür setzen. Man wartet lieber ab, bis die Katastrophe eingetreten ist, – denn das ist das Erlebnis, gekündigt zu werden für die Betroffenen – um dann Betrieben oder Gemeinden Anreize zu bieten, doch bitte ein paar Ältere einzustellen.

Unternehmer kritisieren seit vielen Jahren, dass die Lohnnebenkosten zu hoch sind und immer weiter steigen. Bei Älteren, die mehr verdienen, wird das besonders spürbar. Es wird seit vielen Jahren gefordert, dass das System der Biennien überdacht wird. Es gibt aber nur zaghafte Schritte in Richtung einer Verflachung der Gehaltskurve. Es ist logisch nämlich nicht nachvollziehbar, warum jemand allein aufgrund seines Alters und seiner Dienstzeit um ein Vielfaches mehr verdient als ein Jüngerer mit derselben Aufgabe oder Funktion. Dies erweist sich als ein Bumerang für die Älteren, die anfangs wenig verdient haben und kaum, dass sie in höhere Gehaltsstufen aufsteigen, oft hinausgedrängt werden, dann auf die Pensionierung warten müssen oder nur um viel weniger Gehalt wieder einsteigen können.

Eine ehrliche Debatte müsste schmerzhafte Themen angehen, wie etwa die völlige Abschaffung der Biennien. Volkswirtschaftlich ist es auch wenig sinnvoll, den Betrieben zuerst (zu) hohe Abgaben bei Löhnen und Gehältern abzupressen, um danach um viel Geld Programme für die Wiedereinstellung oder für vorzeitige Alterspensionen auszugeben. Bekanntlich explodieren ja die Zuschüsse für die Pensionen aus dem Steuertopf, nicht zuletzt wegen der vielen Frühpensionisten. Das Ziel, das faktische Pensionsalter anzuheben, kann angesichts der Kündigungswelle Älterer sicher nicht erreicht werden. Die Frage ist, ob endlich jemand in der Politik den Mut aufbringt, eine ehrliche Debatte zu führen und eine Radikalkur durchzuziehen.