Junge Menschen brauchen sinnvolle Beschäftigung und Perspektiven

20.06.2017

Arbeit ist essentiell für die Integration. Gut, dass endlich mit entsprechenden Projekten begonnen wird.

Es war im April vorigen Jahres. Damals ahnte man bereits, dass die vage Hoffnung, die Flüchtlinge aus Nahost würden bald in ihre Heimat zurückkehren (können), sich nicht bestätigen würde. Also keimte die Debatte auf, Asylwerber in irgendeiner Form zu beschäftigen. Nun ist bald ein Jahr vergangen, geschehen ist nicht viel.

Militärexperten prophezeien, dass die Krise in Nahost noch Jahre, wenn nicht Jahrzehnte andauern wird. Die Lage ist verworren und eine Lösung nicht in Sicht. Die meisten Menschen, die aus dieser Region zu uns geflohen sind, werden also aller Voraussicht nach noch lange oder gar für immer bleiben. Das stellt uns vor Probleme und Herausforderungen, die für Realisten von Anfang an erkennbar waren. Eine davon lautet: Wie bringen wir zigtausend Menschen zusätzlich auf einem Arbeitsmarkt unter, der ohnehin von einer Rekordarbeitslosigkeit belastet ist? Wie dringlich diese Frage ist, lässt sich mit freiem Auge erkennen: Auf Bahnhöfen, in Einkaufszentren, Fußgängerzonen und Parks, überall kann man vorwiegend junge Männer beobachten, denen offensichtlich langweilig ist und die nichts mit sich anzufangen wissen. Ein Deutschkurs ist auf Dauer eben keine ausreichende Beschäftigung, und sonst dürfen sie ja nichts tun.

Umgekehrt steigt die negative Stimmung vieler Bürger und die Sorge, dass die Langeweile darin mündet, dass diese Burschen Unsinn machen oder gar kriminell werden. Daher brauchen diese Menschen, wie alle jungen Leute, eine sinnvolle Tätigkeit. Das hat – spät aber doch – nun auch die Regierung erkannt und übers Wochenende ein Rohkonzept erarbeitet. Das ist sehr löblich und zu unterstützen. Allerdings hapert es bei der Professionalität, wie dabei vorgegangen wird, gewaltig. So liest man im Gesetzesentwurf, Asylwerber sollten von Gemeinden und Hilfsorganisationen zu diversen Tätigkeiten herangezogen werden. Bloß hat die Regierung vergessen, zuvor mit den Betreffenden zu sprechen, sie zu informieren oder gar einzubinden. Gemeinden und Hilfsorganisationen wie das Rote Kreuz bezweifeln, ob sie Jobs für tausende Menschen - valide Zahlen gibt es nicht - anbieten können und fragen, wie das finanziert werden soll? Sie sollen ja schon Arbeitslose über 50 unterbringen. Aber man ist dennoch offen, mitzutun, wenn man eingebunden wird.

Das AMS hat für die Integration in den Arbeitsmarkt bereits eine Initiative laufen, nämlich den „Kompetenzcheck“. Allerdings laufen diese Checks, Deutschkurse und was sonst noch alles von anderen Trägern angeboten wird recht unkoordiniert. Es gibt keinen Überblick, wer welche Kurse und mit welchem Erfolg absolviert hat, ebenso keine Evaluation, was gut läuft und wo man nachbessern muss.

(Zu) lange Zeit hat sich die Politik mit der Frage der Bezahlung aufgehalten, doch darum geht es nur in zweiter Linie. Es gäbe auch die Möglichkeit von Pilotprojekten, etwa im Bereich der Freiwilligenarbeit. So könnten in einem „Buddy“-System je ein Ehrenamtlicher mit einem Asylwerber zusammen arbeiten. Im direkten Kontakt wäre die Integration leichter, die Betreffenden könnten Erfahrungen sammeln, ihr Image steigern und das Prinzip des freiwilligen Engagements kennenlernen. Freiwilligenarbeit ist in deren Herkunftsländern oft unbekannt, damit könnte ein wichtiger Wert vermittelt werden. Reihum wird bestätigt, dass alles besser ist, als nichts zu tun und die Leute herumsitzen zu lassen.

Das Projekt, Asylwerber und dann Asylberechtigte – vor allem die jungen Männer – rasch zu beschäftigen, muss allerdings professionell umgesetzt werden, denn es muss gelingen. Es ist höchste Zeit, von bloßer „Hilfe“ auf mehr Eigenverantwortung umzuschalten. Dazu braucht es Druck, aber auch Anreize, Perspektiven und eine Art „Karriereplan“. Die Alternative ist, tausende nicht ausgebildete, untätige, gelangweilte und frustrierte junge Männer mit steigendem Aggressionspotential dauerhaft im Land zu haben. Die gewaltigen Probleme, die das mit sich bringt, lassen sich unschwer ausmalen.