Familien sind nicht ersetzbar, geben wir gut auf sie acht

22.12.2016

Familien stehen vielfach unter Druck und zeigen Auflösungserscheinungen, können aber durch nichts Gleichwertiges ersetzt werden.

Weihnachten ist das Fest der Familie. Es wird – Einkaufsrummel hin oder her – schließlich die Geburt eines Kindes gefeiert. Doch was unter Familie zu verstehen ist, darüber gehen die Meinungen heute weit auseinander. Es gibt in den Industriestaaten die unterschiedlichsten Konzepte von Familie: Von der klassischen Klein- bzw. Großfamilie bis hin zu Alleinerziehenden, Stiefkind- und sogenannten „Regenbogen“-Familien, in denen die Partner dem gleichen Geschlecht angehören.

In Österreich nimmt die Zahl der Familien mit Kindern stetig ab, entsprechend der niedrigen Geburtenrate. Insgesamt sind mehr als 40 Prozent aller Geburten unehelich, dennoch wachsen insgesamt mehr als zwei Drittel der Kinder in Haushalten auf, in denen die Eltern verheiratet sind. Es sind aber nicht immer beides leibliche Eltern, sondern auch sogenannte „Patchwork-Familien“. Von der Politik wird versucht, den Familienbegriff zu erweitern, um diesen Phänomenen entgegen zu kommen. Besonders umstritten ist dabei die Gleichstellung homosexueller Partnerschaften in Bezug auf Ehe und Kinder. In Österreich wurde kürzlich erlaubt, dass bei Verpartnerungen ein gemeinsamer Name als „Familienname“ geführt wird. Aufgrund des immer diffuseren Familienbegriffs gibt es derzeit sogar eine europäische Bürgerinitiative mit dem Titel „Vater, Mutter, Kind“ zum Schutz von Ehe und Familie.

Abgesehen von Zahlen und Begriffsbestimmungen ist Familie wesentlich mehr. Sie ist im Idealfall ein Ort der Geborgenheit, der Liebe, der Solidarität, in der bedingungslos füreinander gesorgt und eingestanden wird. Mit Familienmitgliedern ist man lebenslänglich verbunden, ob sie einem sympathisch sind oder nicht. In der Familie, in der unterschiedlichste Charaktere miteinander auskommen (müssen), lernt man Toleranz, Empathie, wie man Konflikte austrägt und Kompromisse schließt. In dieser Form kann das die Gesellschaft oder die Schule nicht erfüllen. Der Staat sollte nur dann einspringen, wenn es gar nicht mehr anders geht, aber er ist immer nur ein Notnagel.

In archaischen Gesellschaften oder in Krisensituationen, wie wir sie aktuell im Nahen Osten erleben, ist die Familie die letzte und einzige Stütze im Chaos. Sie ist auch in Friedenszeiten die Überlebensversicherung in Ländern, in denen es keinen Wohlfahrtsstaat gibt. Im Wohlfahrtsstaat kann man auch alleine leben. Die Solidarität der Familie wurde weitgehend auf die Gesellschaft übertragen. Ein weit verzweigtes Netz an Versicherungen, medizinischen und pflegerischen Einrichtungen sorgt für die Kranken, Schwachen und Alten. Ersetzen kann all dies die Familie trotzdem nicht. Zuwendung und emotionale Nähe von Verwandten kann auch die beste Pflege nicht leisten. Finanzierbar ist sie ebenfalls nicht. Achtzig Prozent der Pflege wird immer noch in den Familien erledigt. Das gleiche gilt für die Kinder, die ebenfalls auf die Fürsorge, Liebe und Geborgenheit ihrer Mütter und Väter angewiesen sind. Fallen diese aus irgendeinem Grund weg, sind die psychischen Folgen dramatisch.

Es gibt schon länger die Tendenz, dass christlichsoziale Parteien ihre bisherige Familienpolitik aufgeben und an scheinbar „moderne“, letztlich aber zerstörende Entwicklungen anpassen. Das ist ein Irrweg. Vielmehr braucht es mehr Achtsamkeit für den Erhalt der Familie, die vielfältig unter Druck steht. Durch die Anforderungen der Arbeitswelt, unsichere Arbeitsverhältnisse und Arbeitslosigkeit, (zu) hohe Anforderungen an sich selbst und seitens der Gesellschaft zerbrechen viele Ehen und Familien.

Um stark und belastbar zu werden und zu bleiben, braucht es stabile familiäre und emotionale Bindungen. Aus all diesen Gründen sollten wir Familie schützen und auf sie achtgeben, statt ständig ihre Fundamente zu untergraben und sie infrage zu stellen. Bei jungen Menschen ist der Wunsch nach einer Familiengründung und einer stabilen Familie sehr hoch. Das soll uns Hoffnung geben.