Integration: Fördern wir doch Leistung statt Anspruchsdenken!

05.11.2015

Bisher fand Integrationspolitik nicht statt. Wir sollten nun alte Fehler vermeiden und gleichzeitig unsere Defizitkultur überdenken.

Als Mitte der 1960er Jahre die ersten Gastarbeiter aus der Türkei am Wiener Südbahnhof ankamen, wurden sie mit einer Musikkapelle und Blumen begrüßt. Das erinnert an die „Refugee-Welcome“-Bewegung. Doch die anfangs positive Stimmung in der Bevölkerung kippte auch damals bald. Als immer mehr kamen, fühlte sich die einheimische Bevölkerung bedroht. Man fürchtete um den Arbeitsplatz, verstand Sprache und Gebräuche nicht. Die, die nach den Vorstellungen der Industrie bald wieder nach Hause zurück kehren sollten, blieben und holten ihre Familien nach.

Wie sie sich hier zurecht finden sollten, kümmerte niemanden. Es gab keine Sprachkurse, keine Integrationspolitik, sie sollten nur arbeiten. Ihre Kinder, die in der Schule aufgrund der Sprachprobleme nicht mitkamen, wurden in die Sonderschulen abgeschoben. Die Lehrer waren schlicht überfordert, Unterstützung gab es keine. Auch heute hat jedes dritte Kind in den Sonderschulen nicht Deutsch als Muttersprache. Es gibt viele Erwachsene, die seit Jahrzehnten hier leben und immer noch kaum Deutsch sprechen. Es fehlt noch immer ein flächendeckendes System an Kursen. Dabei weiß man, wie es gehen könnte, wie etwa das Projekt „Mama lernt Deutsch“ zeigt. Es setzt bei den Müttern an, denn wenn die Frauen nicht Deutsch lernen (dürfen), können sie sich nicht frei bewegen und auch ihre Kinder auf ihrem Bildungsweg nicht unterstützen. Integration hat nämlich weniger mit dem Herkunftsland zu tun, sondern ob die Eltern den Wert von Bildung erkennen und ihren Kindern vermitteln.

Der Wert und die Wichtigkeit von Bildung muss mehr eingefordert werden. Es ist ein unhaltbarer Zustand, dass ein Drittel der Kinder von Migranten keinen Schulabschluss haben. Demzufolge ist ihr Anteil an den Arbeitslosen überproportional hoch, nämlich 40 Prozent. Auf dieser Basis bringt Zuwanderung keinen wirtschaftlichen Impuls, sondern einen Kollaps des Sozialsystems.

Doch wir müssen uns an der eigenen Nase nehmen: Dass Integration bisher über weite Strecken gescheitert ist, liegt nämlich auch an der Einstellung, die wir selbst vermitteln und leben. Das zeigt sich etwa an der Schule. Unser Bildungssystem ist vor allem auf eine Defizitkultur ausgerichtet, auf die Schwächen der Schüler, statt auf ihre Stärken. So werden etwa Lernschwache durch vielfältige Programme gefördert, ja oft überfordert, weil sie das angestrebte Niveau niemals erreichen können. Das ist bis zu einem gewissen Grad gerechtfertigt, wenn man dabei nicht auf die Leistungsstarken vergessen würde. Es gibt auch Begabte und Lernwillige, und diese sollten ebenso gefördert werden. Außerdem geben sie den Schwächeren ein Beispiel und fördern so den Leistungswillen der gesamten Klasse.

Die Schule spiegelt die Einstellung unserer gesamten Gesellschaft wider. Unter dem Schlagwort „soziale Gerechtigkeit“ werden mangelnder Einsatz und Ehrgeiz, sowie fehlende Leistungsbereitschaft gefördert und belohnt. Unser gesamtes Sozialsystem ist in eine Schieflage geraten. Wenn man in einem aktiven Job genauso viel bzw. wenig verdient wie man in Summe mit Sozialleistungen, Gebührenbefreiungen und Förderungen vom Steuergeld Anderer erhält, warum sollte man sich dann anstrengen? Vor allem in den großen Städten ist der „Genierer“ gering, das Sozialsystem auszunützen. Im Gegenteil, es gibt etliche Anlaufstellen und Vereine, die auch Migranten gleich beibringen, auf welche Leistungen des Staates sie „Anspruch“ haben, statt diese zur Eigenleistung zu ermuntern.

Der Staat macht es denjenigen, die etwas leisten und nicht am Tropf des Sozialstaates hängen wollen, schwer. Man nehme etwa die Bürokratie, die leistungsfeindlich hohen Steuern und Abgaben, die rigide Gewerbeordnung, undurchschaubare Vorschriften und Gesetze etc. etc. Die Menschen, die derzeit aus Syrien zu uns kommen, kennen keinen Wohlfahrtsstaat, sie konnten sich bisher nur auf ihre eigene Leistung und auf den Rückhalt in der Familie verlassen. Unsere „sozial Gerechten“ werden ihnen das sicher bald abgewöhnen.