Wird die Hofburg eine Heimstatt linker Geschichtsdeutung?

16.02.2015

Das „Haus der Geschichte“ soll offenbar eine „rote Geschichte“ werden. Das bereits vorliegende Konzept und die daran mitwirkenden Historiker werden ignoriert.

Wieder einmal wurde er von der SPÖ traditionell begangen: Der Jahrestag der bis heute umstrittenen Februarkämpfe des Jahres 1934. Trotz des langen Zeitabstands halten sie immer noch Überraschungen in der Analyse bereit. Der Historiker Kurt Bauer recherchierte die Opferzahlen, die ein neues Bild der Kämpfe zeichnen. Bisher wurde angenommen, dass der Republikanische Schutzbund 200 Todesopfer zu verzeichnen hatte, die Exekutive 128. Ganz anders das Ergebnis Bauers: In den Kämpfen starben „nur“ 64 Schutzbündler, jedoch 111 Angehörige des Bundesheeres und 112 unbeteiligte Passanten. Er konnte keine Person identifizieren, die beim Beschuss des Wiener Karl-Marx-Hofes umgekommen war, an dem es auch kaum Schäden gegeben hat. Dies bestätigt die Einschätzung von Experten, dass das Bundesheer Übungsmunition und keine echte Artillerie-Munition verwendet hat.

Es gibt also jede Menge neuen Diskussionsstoff für Historiker allein im Hinblick auf die Februarkämpfe. Kaum ein Ereignis der österreichischen Zeitgeschichte spaltet mehr, sie waren mit ein Grund, warum sich das Projekt eines „Hauses der Geschichte“ so lange verzögerte. Die jüngste Entscheidung des Kulturministers überraschte nicht nur Beobachter, sondern auch Insider: Das seit langem diskutierte „Haus der Geschichte“ in Wien soll zügig umgesetzt werden. Nun ist es an sich positiv, dass ein Projekt, in das bereits sehr viel Energie, Zeit und Geld gesteckt wurde, endlich realisiert wird. Doch lässt die Art und Weise, wie Ostermayer an die Sache herangeht, die Alarmglocken schrillen.

Da ist einmal der Zeitplan: Eine Arbeitsgruppe von renommierten Historikern, die im Auftrag der Bundesregierung bereits vor mehr als zehn Jahren ein detailliertes Konzept samt Zeitplan vorlegte, sah einen Zeitraum von mindestens sechs Jahren für die Umsetzung vor. Nun soll das ganze Projekt – inklusive Planung! – in nur knapp drei Jahren durchgezogen werden. Zusätzlich baut die von Ostermayer eingesetzte Projektleitung nicht auf dem bereits vorhandenen Konzept auf, sondern sucht sich eigene Experten. Die Historiker, die das vorliegende Konzept jahrelang erarbeitet haben, wurden nicht zur Mitarbeit eingeladen.

Obwohl in der öffentlichen Debatte immer der Ort des „Hauses der Geschichte“ im Vordergrund stand, war dieser unter Historikern stets von untergeordneter Bedeutung. Viel wichtiger war es, in den bis heute umstrittenen Zeitabschnitten - allen voran die Darstellung der Februarkämpfe 1934 und der Zeit der Dollfuß-Diktatur - Ausgewogenheit zu erzielen. Und damit sind wir beim Knackpunkt: Minister Ostermayer beteuert zwar, zu diesen Themen eine „entspannte“ Haltung einzunehmen, doch seine Handlungsweise widerspricht dem ganz offensichtlich.

Es steht also zu befürchten, dass viel Geld in die Neuerfindung eines Projektes fließt, das der ideologisch einseitigen Indoktrinierung des Publikums in Sachen Zeitgeschichte dienen soll. Insider bestätigen, dass das Haus der Geschichte „eine rote Geschichte“ werden wird. Es gibt tatsächlich keine Rechtfertigung dafür, alles neu zu erfinden, außer, dass man die bisher an diesem Konzept beteiligten Wissenschaftler als für „politisch unzuverlässig“ einschätzt und dem Projekt den eigenen ideologischen Stempel aufdrücken will. Sollte es dem Minister und der Projektleitung nämlich ernst mit einem Haus der Geschichte sein, in dem sich alle Österreicher wiederfinden, dann müssten sie Experten aller Richtungen einladen und das bereits vorliegende Konzept als Basis nehmen.

Ganz anders geht man in Niederösterreich an die Sache heran. Dort soll ebenfalls 2018 in St. Pölten ein „Haus der Geschichte“ entstehen, mit dem Fokus Landesgeschichte. Seit Jahren laufen bereits die Vorbereitungen, Historiker aller möglichen Einrichtungen sind mit eingebunden, ungeachtet ihrer Sichtweise auf heikle Punkte der Zeitgeschichte. Im Gegenteil, man will einen breiten Diskurs führen und sich parteipolitisch nicht instrumentalisieren lassen. Es bleibt zu hoffen, dass sich auch die Wiener Zeithistoriker nicht dafür hergeben, Mittel der Parteipolitik der SPÖ zu sein.