Wie wir unfrei werden

Erscheinungsdatum: Ende April 2022
ISBN: 978-3-904123-57-0
Erscheint bei: Seifert Verlag
Preis: 24,95 EUR

Der Weg in die totalitäre Gesellschaft

Freiheit ist nicht nur die Abwesenheit von Zwang und Unterdrückung. Sie ist viel mehr. Die antiken Philosophen definierten Freiheit als vernünftiges und sittliches Handeln. Man könnte es auch theologisch formulieren, im Sinne des Kirchenvaters Augustinus: Die Freiheit des Menschen besteht in der Möglichkeit, zwischen Gut und Böse zu wählen. Er trägt also die Freiheit in sich. Der Mensch sei zur Freiheit verurteilt, meinte im 20. Jahrhundert Jean Paul Sartre.

 

Und dennoch sind die Menschen in gesellschaftlicher und politischer Hinsicht meist unfrei. Denn Freiheit für alle Menschen hat es in der Geschichte nie gegeben. Zumindest ein Teil der Menschheit lebte stets in Unfreiheit und litt unter den verschiedensten Ausprägungen von Unterdrückung. Freie Gesellschaften mit weitreichenden Rechten für alle Bürger sind selbst heute noch die Ausnahme. Freiheit wurde in der Geschichte stets errungen, sie wurde nie einfach von den Mächtigen geschenkt. Und doch ist es Bürgern oder Untertanen, meist in Form einer Massenbewegung oder einer Revolution, immer wieder gelungen, Freiheitsrechte zu erringen und zu erkämpfen.

Die Geschichte hat aber auch gezeigt, dass eine errungene Freiheit nicht ein bleibender Zustand ist, sondern stets verteidigt und eingefordert werden muss.

 

Die Mechanismen, wie aus einer freien und offenen Gesellschaft eine unfreie und geschlossene geformt werden kann, sind nicht neu. Diese Muster finden sich in der Geschichte immer wieder. Schon der griechische Philosoph Platon entwarf in seiner berühmten Schrift „Der Staat“ eine Gesellschaft, in der eine Elite das Volk in sein vorgebliches Glück zwingt. Ende des 19. Jahrhunderts führte der Nationalismus, der in anderen Nationen Feinde erblickte, in die Katastrophe des Ersten Weltkriegs. Der Kommunismus und die Spielarten des Faschismus etablierten totalitäre Systeme, die in Unterdrückung, millionenfachen Mord und Kriege mündeten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte sich ein Teil Europas in freien und demokratischen Gesellschaften entwickeln und stieg wirtschaftlich beständig auf. Ein anderer Teil verblieb in Unfreiheit und blieb auch wirtschaftlich zurück. Das Jahr 1989 markierte die Wende, als wie durch ein Wunder auch der Rest Europas auf gewaltfreiem Weg das Joch der kommunistischen Diktaturen abschütteln konnte.

Es war der Österreicher Karl Popper, der unter dem Eindruck der Gräuel von Nationalsozialismus und Kommunismus, daran heftige Kritik übte und eine freie und offene Gesellschaft einforderte.

Auch heute existieren, trotz dieser Erfahrungen, totalitäre Staaten, wie etwa China oder Nordkorea. Durch die neuen technischen Möglichkeiten im Bereich der Überwachung, durch die Globalisierung und die Konzentration riesiger Vermögen sind neue Formen totalitärer Systeme entstanden oder im Entstehen begriffen.

Auch freie und demokratische Gesellschaften können unter bestimmten Bedingungen unfrei werden und totalitäre Züge entwickeln. Sie kommen nicht über Nacht, sie entwickeln sich allmählich und zunächst unbemerkt. Langsam durchtränken sie demokratische Gesellschaften mit ihrem Gift, sie kleiden ihre Ziele in schöne Worte und verdecken sie mit viel Moral. Angst wird verbreitet oder genutzt, Propaganda eingesetzt und nach und nach Grundrechte ausgehöhlt. Wenn das Totalitäre dann seine Maske fallen lässt, ist es mitunter schon zu spät.

Bei einer eingehenden Analyse wird deutlich, dass der Verlust von Freiheit einem Muster folgt. Totalitäre Systeme brauchen bestimmte Bedingungen und bedienen sich spezieller Techniken, um eine Gesellschaft unfreier zu machen und sie letztlich zu beherrschen. Durchschaut man diese Techniken und Muster, ist es Bürgern möglich, diese Transformation zu stoppen und rückgängig zu machen.