Covid-Impfung für Kinder: Die Ärzteschaft ist tief gespalten

07.09.2021

Die Entscheidung der EMA wird falsch interpretiert. Die Politik macht Druck. Ein Austausch von Argumenten und Erfahrungen wird blockiert.

 

Derzeit überrollt eine wahre Propagandawelle das Land. Das Ziel ist, dass sich möglichst alle Kinder und Jugendlichen gegen Covid-19 impfen lassen, auch die gesunden. Täglich treten Ärzte auf, die zur Impfung raten.

Die Meinung in der Ärzteschaft ist jedoch nicht so einhellig, wie es nach außen scheint. So hat etwa die EMA zwar den Impfstoff von Pfizer für Kinder ab 12 Jahren zugelassen. Die EMA gab aber keine Empfehlung für die Impfung gesunder Kinder ab, ganz im Gegenteil:

„Die Zulassung durch die EMA bedeutet, dass Kinder/Jugendliche mit Begleiterkrankungen geimpft werden können und es sich nicht um Off-Label-Use handelt. Es bedeutet nicht, dass Kinder/Jugendliche geimpft werden sollen! Die Entscheidung in Österreich halte ich für falsch“, schrieb Wolf-Dieter Ludwig, Mitglied der EMA als Vertreter der deutschen Ärzteschaft, in einer Stellungnahme.

Dem entsprechend empfahl die deutsche Impfkommission STIKO die Impfung nur für Kinder mit Vorerkrankungen. Diese Entscheidung erfolgte trotz enormem politischem und medialem Druck und nach sorgfältiger Abwägung und Diskussion. Das österreichische Nationale Impfgremium sprach hingegen nur Stunden nach der EMA-Entscheidung eine Empfehlung für die Impfung aller Kinder aus. Wie kommt das? Fakt ist, dass das Impfgremium im Gesundheitsministerium angesiedelt ist. Auf der Website des Gremiums heißt es, dass alle Mitglieder die Tätigkeit „unabhängig“ ausüben würden. Jedoch besteht dieses Gremium knapp zur Hälfte aus Bundes- oder Landesbeamten, und diese sind politisch weisungsgebunden. Der aktuelle Gesundheitsminister, ebenfalls Arzt, ist bekanntlich vehementer Befürworter der Corona-Impfung, selbst für jüngere Kinder. Der andere Teil des Gremiums besteht vorwiegend aus Ärzten, die in Uni-Kliniken tätig sind. Die Entscheidung des NIG erfolgte mit Gegenstimmen.

 

 

Es ist offenkundig, dass in der Frage des Umgangs mit der Corona-Krise, der Gefährlichkeit des Virus und der richtigen Strategie die Meinungen in der Ärzteschaft weit auseinandergehen. So wie in der Gesellschaft insgesamt, gibt es eine Kluft, die immer tiefer wird. Die Demarkationslinien verlaufen dabei quer durch Disziplinen und Institute.

Ein Fall, der die diametralen Standpunkte in der Ärzteschaft besonders anschaulich illustriert, sind die Spitzenmediziner Herwig Kollaritsch und Martin Haditsch: Sie haben beinahe dieselbe Ausbildung - Haditsch ist zusätzlich Infektiologe – betreiben seit Jahren gemeinsam ein Unternehmen zur Ärzteausbildung und sind Experten auf ihrem Gebiet. Kollaritsch ist Dauergast in Printmedien und dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen, Mitglied des Nationalen Impfgremiums und Berater der Bundesregierung. Er ist einer der vehementesten Befürworter der Regierungslinie. Martin Haditsch wiederum ist häufiger Gast bei der privaten Konkurrenz und seit Beginn kritisch im Hinblick auf die Maßnahmen der Regierung und deren Impfstrategie. Zwei Kollegen also mit diametralem Zugang.

 

Kürzlich trat eine Gruppe von Ärzten und Rechtsanwälten an die Öffentlichkeit, um ihre Stimme gegen eine Covid-Impfung an Kindern und Jugendlichen zu erheben. Sie repräsentieren eine Gruppe von mittlerweile 300 Ärzten, Juristen und Pädagogen, trotz der Angst vor Repressalien. Es gab nämlich bereits mehrere Fälle, in denen die Ärztekammer sehr rigoros gegen Kritiker vorging, bis hin zu Praxisschließungen, oder Ärzte gekündigt wurden. Seither wagen es viele nicht mehr, öffentlich über schwere Impfreaktionen zu sprechen. Sie tauschen sich intern via Facebook über ihre Erfahrungen und dem Umgang damit aus.

Es ist nicht verwunderlich, dass in der Ärzteschaft bei einem neuartigen Virus und völlig neuen medizinischen Technologien die Fachmeinungen divergieren. Besorgt macht allerdings, dass ein offener Austausch von Argumenten und Erfahrungen mit aller Macht und mit Drohungen verhindert werden soll. Es sollte im Interesse der Ärzteschaft und ihrer Vertreter liegen, die Bürger, die ja alle Betroffene sind, umfassend und ehrlich zu informieren, nichts zu unterdrücken oder zu beschönigen.