Sexualerziehung: Ministerium, bitte rasch zurück an den Start!

28.12.2018

Der Sexualerziehungserlass von Ministerin Heinisch-Hosek ist die Wurzel des Problems, nicht ein einzelner Verein. Der Erlass gehört endlich in den Papierkorb.

Manchmal arbeiten unsere Behörden erstaunlich, ja verdächtig schnell. Kaum wurde publik, dass sich eine (!) angehende Trainerin über angebliche Inhalte eines Vereins zur Sexualaufklärung an Schulen beschwerte, reagierte der Landesschulrat für Salzburg prompt und verbot dem Verein die weitere Tätigkeit. Auch im Bildungsministerium handelte man blitzschnell, ja sogar vorschnell: Gleichzeitig mit der Ankündigung, die Inhalte prüfen zu wollen, tat man kund, dass „eine Fortführung der Aktivitäten in der derzeitigen Form nicht möglich sein“ werde. Diese Eile und Entschiedenheit ließen die Behörden jedoch in jenen Fällen vermissen, als sich Eltern über andere Vereine beschwerten, die ihre Kinder mit übergriffigen Unterrichtsmethoden verstört hatten. Man sprach Eltern und Kindern schlicht die Glaubwürdigkeit ab und unternahm gar nichts.

Beim Verein „Teenstar“ gab es hingegen keine Elternbeschwerden. Der Verein ist klar als christlich deklariert, Eltern und Schulen können daher entscheiden, ob sie dieses Angebot wählen oder nicht. Die nun verlangte „Wertfreiheit“ in der Sexualerziehung kann nicht darin bestehen, dass nur christlich orientierte Vereine ausgeschlossen sind, anders gerichtete hingegen gefördert werden.

Ungeachtet dessen, was behauptet wurde und was wirklich in den Vortragsunterlagen von „Teenstar“ steht und wie aktuell diese sind, geht es in dieser Causa um Grundsätzliches, nämlich um den Erlass selbst. In diesem liegt nämlich die Wurzel des Übels begründet. Zur Erinnerung: In einem einsamen Ratschluss zwangsbeglückte die damalige SP-Bildungsministerin Heinisch-Hosek Österreichs Schulen 2015 mit einem neuen Grundsatzerlass zur Sexualerziehung. Dieser erfolgte überfallsartig, indem er kurz vor den Osterferien verschickt wurde und nur wenige Tage zur Begutachtung Zeit ließ. Bereits die Grundlage des Erlasses ließ das Schlimmste ahnen.

Basis für den Erlass bildet nämlich die sogenannte „Sexualpädagogik der Vielfalt“, eine in Deutschland und der Schweiz höchst umstrittene Sexualpädagogik, deren geistiger Vater Uwe Sielert ist. Sein Lehrer und „väterlicher Freund“ war der mittlerweile geächtete Helmut Kentler, der in den siebziger Jahren obdachlose Jugendliche bewusst bei vorbestraften Päderasten unterbringen ließ, die diese dann sexuell missbrauchten. Tonangebend in der Ausbildung für Sexualerzieher ist bis heute das „Institut für Sexualpädagogik“ (ISP) in Dortmund, dessen Gründer eben jener Uwe Sielert ist und das sich noch immer auf Kentler beruft. Wenn man sich aktuell also angeblich Sorge um das seelische Wohl der Kinder wegen eines – huch! – christlich-religiösen Einflusses macht, sollte dies erst recht für die Dortmunder „Pädagogik“ gelten.

Darüber hinaus wurde die im früheren Erlass verankerte Sexualerziehung als „primäre Aufgabe der

Eltern/Erziehungsberechtigten“ entsorgt, ja die Eltern oder der Begriff Familie kamen gar nicht mehr vor. Erst nach Protesten gestand man zu, dass „Eltern neben Institutionen wie Kindergärten und Schule eine zentrale Rolle“ spielen würden.

Sexualerziehung basiert immer auf Werten. Das zeigt der Paradigmenwechsel vom Erlass aus den Neunzigern zu jenem aus 2015 sehr deutlich. Deshalb ist es unzulässig, dass die Politik oder gar eine Politikerin im Alleingang über ein derart sensibles Thema entscheidet. Es muss vielmehr Bedacht unter anderem darauf genommen werden, dass mit Kindern behutsam umgegangen wird, was die Eltern wollen und wie die jeweilige Schule orientiert ist.

 

 

Somit ist die vom Ministerium angekündigte Überprüfung des Vereins „Teenstar“ hinsichtlich einer Übereinstimmung mit den Prinzipien des zurecht heftig kritisierten Heinisch-Hosek-Erlasses der falsche Ansatz. Vielmehr ist es überfällig, den Erlass und die dahinter liegende Ideologie rasch zu entsorgen und neu zu erarbeiten. Diesmal bitte unter Einbeziehung auch von Eltern, Experten unterschiedlicher Provenienz und mit einer ausreichend langen Begutachtungsfrist!