Die Cirruswolken des Flugverkehrs trüben den blauen Ökohimmel

12.03.2019

Solange der Flugverkehr als schlimmster Klimakiller aus der Klimastrategie ausgespart bleibt, ist jede andere Maßnahme sinnlos.

Umweltministerin Elisabeth Köstinger erlitt kürzlich einen herben Rückschlag, als der Bundesrat (!) den Biomassekraftwerken den Geldhahn zudrehte. Nun kann man dies unterschiedlich bewerten, jedenfalls ist die Biomasse nur ein winziger Baustein in den klimafreundlichen Maßnahmen.

Überhaupt konzentriert sich die Debatte auf Nebenschauplätze und auf den privaten Sektor. In diese Kategorie fallen die Förderung von Elektroautos, das Verbot von Ölkesseln für Private, die Citymaut und vieles andere. Natürlich wäre es gut, wenn die Menschen mehr zu Fuß gingen oder mit Öffis fahren, umweltfreundlicher heizen würden und überhaupt.

Auffallend ist in dieser Debatte und bei den geplanten Maßnahmen zum Klimaschutz aber vielmehr, worüber NICHT gesprochen wird. Ausgespart werden nämlich jene Emittenten, die weitaus am meisten zur Schädigung des Klimas und zum Treibhauseffekt beitragen. Allen voran genannt sei das Flugzeug. Es ist der Klimakiller Nummer eins, nicht nur wegen der enormen Mengen an CO2. In großer Höhe führen die Kondensstreifen zur Bildung von Cirruswolken, wie ja mit freiem Auge erkennbar, die ebenfalls zur Erderwärmung beitragen.

Und obwohl dies alles bekannt und erwiesen ist, tun die Staaten nichts dazu, den Flugverkehr zu reduzieren oder mit Steuern zu belasten. Ganz im Gegenteil. Auch in Österreich freut man sich über mehr Flugpassagiere in Wien-Schwechat, will den Flughafen noch ausbauen, verzichtet auf die Besteuerung des Flugtreibstoffes und befördert damit kräftig eine zutiefst klimaschädliche Fortbewegungsart. Flugtickets werden immer billiger, Fliegen immer attraktiver.

Dennoch: Der Flugverkehr ist in den Klimazielen schlicht nicht enthalten. Die seltsame Begründung lautet, weil er nicht national definierbar ist, deshalb kümmert man sich nicht darum. Die Politik treibt im Gegensatz zu ihrem Dogma der CO2-Reduktion den Ausbau des Wiener Flughafens seit Jahren kräftig voran. Ziel ist es, dass noch mehr Flieger starten und landen, womit die Luftverschmutzung und der Fluglärm – auch über Wien – stark zunehmen werden. Man änderte eigens ein Gesetz, um derartige Großprojekte in Zukunft ohne lästige Bürgerbeteiligung durchzupeitschen. Wie das zur Klimastrategie passt, wurde bisher nie erklärt. Die Wirtschaftlichkeit ist ebenso stark anzuzweifeln, da Wien sich zum Standort für Billigflieger entwickelt hat und die angeblich Zehntausenden neuen Arbeitsplätze nie im Detail definiert wurden.

Die Luftfahrtindustrie bemüht sich, den Kunden Sand in die Augen zu streuen. So behauptet der Flughafen Wien von sich, CO2-neutral zu sein. Das gilt allerdings nur für das Gebäude und ein paar Fahrzeuge. Der Flugverkehr ist dabei nicht berücksichtigt, obwohl er logischerweise zu 95 Prozent an den Emissionen Schuld ist. Aber der Kunde kann Zertifikate erwerben und sich von der Luftverschmutzung „freikaufen“. Auf Kosten der Umwelt. Unter diesen Bedingungen wird das Flugzeug weiterhin attraktiv bleiben und der Flugverkehr auch in Zukunft kräftig steigen.

Gleiches gilt für die internationale und nationale Schifffahrt. Auch sie produziert enorme Mengen an CO2, scheint aber in keiner Strategie und in keinem Klimaziel auf. Im Gegenteil werden Kreuzfahrten immer billiger, Kreuzfahrtschiffe, die Luft und Meere verschmutzen, immer mehr, nur damit ein minimaler Prozentsatz der Erdbewohner einen netten Urlaub hat.

Die österreichische Politik redet sich darauf hinaus, dass es eben auf nationaler Ebene nicht möglich sei, den Flugverkehr zu regulieren oder einzudämmen. Aber wozu gibt es dann internationale Konferenzen und Abkommen? Und warum befördert man auf nationaler Ebene die Luftfahrt dann noch zusätzlich? Und was hindert Österreich daran, ähnlich wie bei der Atomkraft, hier Vorreiter zu sein? Solange der Flugverkehr ausgespart bleibt und weiter so rasant zunimmt, ist jede Klimastrategie und jede Maßnahme zur CO2-Reduktion unglaubwürdig und sinnlos.