Wer bei Schlägen wegschaut, darf sich über Todesopfer nicht wundern

12.03.2019

Gewalt beginnt meist lange vor einem Mord. Hier wird zu oft nicht hingeschaut, Frauen und Kindern nicht geholfen: Aus Ohnmacht, falscher Toleranz oder politischem Kalkül.

Nach der Häufung der schrecklichen Morde an Frauen vergeht kein Tag ohne neue Forderungen: mehr Geld für Beratung, strengere Strafen, Abschiebungen für Täter etc. Das hat wohl alles seine Berechtigung, bloß greift es zu kurz. Denn derartige Gewaltexzesse haben meist eine Vorgeschichte und es gibt Faktoren, die Gewalt begünstigen.

Es stimmt, was jene, die in diesem Zusammenhang Ausländerhetze anprangern, ins Treffen führen: Gewalt gegen Frauen gab es schon immer und auch bei uns. Das 20. Jahrhundert war ein äußerst gewalttätiges, besonders die erste Hälfte davon: Die Männer im Krieg, brutalste Gewalt alltäglich. Die Heimkehrer geschlagen, gedemütigt, traumatisiert, ohne Perspektive, der Familie entfremdet. In dieser Phase eskalierte auch die häusliche Gewalt, die Scheidungsraten stiegen sprunghaft. Gewalt galt nicht nur in der Politik als Mittel der Konfliktlösung. Und nicht nur die Frauen hatten darunter zu leiden, auch die Kinder. Schläge als Mittel der Erziehung und Disziplinierung waren die Norm. Dazu wurde sogar die Bibel als Rechtfertigung herangezogen: „Wer sein Kind liebt, der züchtigt es.“ Dass Jesus hingegen die Liebe predigte, wurde ausgeblendet. Auch in der Schule schwangen viele Lehrer eifrig das „Rohrstaberl“ und teilten kräftige Ohrfeigen aus.

In den 60er-Jahren begehrte die Jugend auf, sie propagierte die Gewaltlosigkeit, die Liebe und den Frieden. Das war nicht nur politisch gemeint. Es war ein Protest nicht nur gegen Kriege, sondern auch gegen die Hiebe. Die Emanzipation der Frauen war auch ein Aufbegehren gegen Gewalt. Ökonomisch unabhängige Frauen müssen sich weniger gefallen lassen. Das Unrechtsbewusstsein stieg, die staatlichen Sanktionen bei Gewalt in der Familie wurden schärfer. Das Jugendamt griff bei Misshandlungen ein, Frauenhäuser wurden gegründet, Wegweisungen eingeführt, bis hin zum Verbot der Ohrfeige.

Heute ist in Österreich Gewalt gesellschaftlich geächtet, auch wenn in der Praxis leider noch viel zu viele Gewalttaten passieren. Aber es gibt einen Konsens, dass Schläge, Misshandlungen und Missbrauch zu verurteilen und zu ahnden sind.

Aber gibt es diesen Konsens wirklich? Sozialarbeiter beobachten, dass Gewalt zwar überall vorkommt, manches diese aber begünstigt. Es sind geschlossene Milieus, oft mit einer ökonomischen Abhängigkeit der Frau. In den Frauenhäusern gibt es einen hohen Anteil von Migrantinnen. Sie haben es besonders schwer, auszubrechen und neu anzufangen. In ihrer Umgebung fehlt das Verständnis. Viele Täter waren selbst Opfer, das Muster wiederholt sich. So wie sich Täter hierzulande früher auf die Bibel berufen haben, so berufen sich muslimische Täter auf den Koran als Legitimation für Gewalt gegen Frauen und Kinder. Es gibt kein Unrechtsbewusstsein, wie Polizisten berichten.

Es braucht nicht unbedingt noch mehr und strengere Strafen, wenn die Eskalation schon sehr weit fortgeschritten ist. Wichtiger wäre ein entschlossenes Durchgreifen und Eingreifen von Anfang an. Nicht nachvollziehbar etwa ist die offensichtliche Scheu und Zurückhaltung vieler Jugendämter, wenn es sich um Migrantenfamilien handelt. Lehrerinnen berichten, dass sie Verdachtsfälle von Misshandlungen zwar beim Jugendamt melden, wie es auch Vorschrift ist, dann jedoch oft nichts passiert. Bei „Österreichern“ würden die Kinder hingegen sehr rasch aus der Familie genommen. Will man nicht als „Rassist“ dastehen? Fürchtet man die aggressiven Täter? Will man dem politischen Gegner nicht nützen? So dreht sich die Gewaltspirale ungehindert weiter, weil niemand den Tätern eine Grenze setzt.

Man sollte endlich damit aufhören, die Opfer weiter zum Spielball der politischen Auseinandersetzung zu machen. Auch einfach mehr Geld ins System zu pumpen, ist zu wenig. Vielmehr sollten alle - ob Lehrer, Sozialarbeiter, Nachbarn oder Kollegen - ermutigt und angehalten werden, hinzuschauen und konsequent zu handeln, offenzulegen und einzugreifen statt wegzuschauen und schönzureden. Wenn das Opfer tot ist, ist es zu spät.