Achtung! Kinder können Armut und Ausgrenzung verursachen!

24.04.2018

Eindringlich werden Frauen davor gewarnt, Kinder zu bekommen und sie dann gar noch selbst zu betreuen. Rein finanziell betrachtet haben die Warner leider recht.

Was haben die ab Montag tagende Armutskonferenz und der Weltfrauentag gemeinsam? Ein Blick in die Statistik gibt Aufschluss: Die Wahrscheinlichkeit, arm oder armutsgefährdet zu sein, ist für Mütter - vor allem für jene, die alleinstehend sind - und für Familien mit drei oder mehr Kindern am größten. Vor Jahrzehnten war es die Altersarmut, die eine soziale Herausforderung darstellte, heute ist es die Familienarmut.

Lassen wir einmal die „importierte“ Armut beiseite, also jene Familien, die aus ärmeren Ländern nach Österreich auf der Suche nach einem besseren Leben einwandern. Auch sie stellen bald fest, dass Armut ein relativer Begriff, nämlich im Vergleich zum durchschnittlichen Lebensstandard der jeweiligen Bevölkerung zu sehen ist. In Österreich arm zu sein heißt, sich keine neue Waschmaschine kaufen zu können, wenn die alte kaputt geht; sich kein Bio-Gemüse leisten zu können, keinen Urlaub und keinen Schulskikurs. Man ist dadurch leicht ausgegrenzt, weil man eben nicht mitmachen kann, was für die anderen selbstverständlich ist.

Armutsgefährdet sind heute Mütter oder Eltern meist dann, wenn es nur ein Einkommen gibt, von dem mehrere Personen leben müssen. Die Experten der Statistik Austria sehen als bestes Mittel gegen die Armutsgefährdung, wenn Mann und Frau voll erwerbstätig sind. In Haushalten mit drei und mehr Kindern gehen „nur“ 43 Prozent der Mütter einem Erwerb nach. Hinderungsgründe“ seien mangelnde Kinderbetreuungseinrichtungen. AMS-Chef Kopf empfahl kürzlich, möglichst rasch nach der Geburt wieder einzusteigen und forderte mehr Krippenplätze. Aus seiner Sicht richtig, aber im Grunde alarmierend. Denn im Klartext heißt das, die Frauen sollen bitte nicht so dumm sein, Kinder zu bekommen und diese auch noch selbst betreuen zu wollen.

All das zeigt, dass die Politik seit Jahrzehnten das Pferd von hinten aufzäumt. Folgend den Interessen der Wirtschaft, der Gewerkschaft und der permanent leeren Staatskassen will man möglichst alle Männer und Frauen im Vollerwerb haben. Es gab zwar korrigierende Ansätze, wie das Recht auf Teilzeit und eine bessere Absicherung, aber inzwischen hat man auch dabei den Retourgang eingelegt. Die einzige Maßnahme, die bisher hoffen lässt, ist die steuerliche Entlastung der Familien.

Es ist nicht verwunderlich, dass angesichts von Armutsgefährdung bis ins Alter (wo frau sich dann mit der Mindestpension begnügen muss, so sie die wahnwitzige Idee hatte, mehrere Kinder großgezogen zu haben) immer mehr junge Frauen keine Kinder mehr haben wollen. Kann man junge Menschen heute mit gutem Gewissen bestärken, eine Familie zu gründen? Sie fühlen sich zurecht überfordert, Berufstätigkeit und Kleinkindbetreuung unter einen Hut zu bringen, mit der ständigen Gefahr von Scheidung, Arbeitslosigkeit und Armut.

Setzt sich dieser Trend fort, wird die österreichische Bevölkerung nur noch durch Zuwanderung erhalten bleiben. Das ist auch eine Möglichkeit. Aber es werden dann ein verändertes Land und eine andere Gesellschaft sein als heute. Die Debatte, ob wir das wirklich so anstreben, wurde bisher nicht geführt.

Es gibt auch eine andere Möglichkeit, nämlich vor allem den Mittelstand (wieder) aktiv bei der Familiengründung und Jungfamilien in den ersten schwierigen Jahren zu unterstützen und echte Wahlfreiheit zu ermöglichen, ohne langfristige Nachteile. Wieso muss alles gleichzeitig sein? Wieso kann man nicht Familiengründung und Karrierestart etwas entzerren? Was ist dabei so schlimm an Teilzeitarbeit?

Eine Gesellschaft sollte bestrebt sein, nachhaltig den Wohlstand und die Lebensgrundlagen ihrer Nachkommen zu sichern. Und wer sollte den Wirtschaftsmotor am Brummen halten, wenn nicht die Kinder aus bildungsaffinen Schichten. Armut ist kein Hindernis für Bildung, denn diese ist kostenlos. Armutsbedrohung ist aber sicher für viele ein Hindernis, Kinder und damit künftige Steuerzahler großzuziehen. Und das ist ein Armutszeugnis für die Politik.