Selbstloser Einsatz ist unverzichtbar, aber nicht selbstverständlich

02.10.2017

Feuerwehr, Rettungsdienste, Sozial- und Sportvereine: Sie alle brauchen Freiwillige. Ehrenamtlichkeit ist ein hohes Gut unserer Gesellschaft.

Dieser Sommer hatte es wieder in sich: Murenabgänge nach Unwettern machten Straßen unpassierbar, Orkanböen entwurzelten Bäume, Wälder brannten wegen der langen Trockenheit. Bei all diesen Ereignissen, die in ihrer Intensität merkbar zunehmen, rückte die Freiwillige Feuerwehr an. Viele Bürger nehmen dies als Selbstverständlichkeit hin. Doch ist es keineswegs selbstverständlich, dass Bürger uneigennützig und ohne Bezahlung ihre Zeit und manchmal sogar ihre Gesundheit opfern und im Katastrophenfall sofort bereitstehen. Oft verlassen sie ihren Arbeitsplatz, um anderen zu helfen. Sie sind dabei auf das Verständnis ihrer Chefs angewiesen, die hier mitspielen müssen. Auch das ist nicht selbstverständlich. Die Ausrüstung der Feuerwehren wird teilweise mittels Spenden finanziert und muss dennoch stets auf dem neuesten Stand sein. Nicht zu vergessen ist, dass die Einsätze oft auch gefährlich sind. Zusätzlich zu den Einsätzen opfern die Feuerwehrmänner und immer mehr Frauen viel Freizeit für diverse Übungen und Weiterbildung.

Es gibt nicht viele Länder, die diese Art der Freiwilligen Feuerwehr, flächendeckend auch auf dem Land in jeder Ortschaft, kennen. Muss der Staat für all diese Einsätze bezahlen und eine Berufsfeuerwehr unterhalten, stößt er schnell an seine finanziellen und organisatorischen Grenzen. Das kann man etwa bei Waldbränden in Südeuropa beobachten, wo es immer wieder aufgrund von zu wenig Feuerwehrleuten und schlechter Ausrüstung zu krisenhaften Situationen kommt.

Die Feuerwehr ist nur ein, wenn auch sehr wichtiges, Segment der Freiwilligenarbeit in Österreich. Auch die Rettungs-, und Sozialdienste würden ohne Ehrenamtliche sofort zusammenbrechen. Kultur- und Sportvereine basieren auf dem Einsatz jener, die sich ohne Bezahlung, aber mit vollem Engagement zur Verfügung stellen. Etwa vier Millionen Bürgerinnen und Bürger in Österreich arbeiten in irgendeiner Form ehrenamtlich. Eine Studie aus dem Jahr 2015, erstellt von der Donau-Universität Krems, beziffert die Wertschöpfung, die durch Freiwilligenarbeit erzielt wird, mit mindestens zehn Milliarden Euro jährlich.

Diese Menschen engagieren sich, weil sie gerne etwas für andere tun, weil es ihnen Sinn gibt, weil sie etwas zum Gemeinwohl beitragen wollen. Diese Form der gelebten Solidarität und Uneigennützigkeit steht im krassen Gegensatz zum aktuellen Schlachtruf einer wahlwerbenden Partei, die derzeit den Bundeskanzler stellt, und die den puren Eigennutz in den Vordergrund stellt. Es braucht das Gegenteil dieses Wahlkampfslogans, nämlich mehr Wertschätzung der ehrenamtlichen Arbeit. Sie ist ein wichtiger gesellschaftlicher Wert und genießt hohes Ansehen, vor allem auf dem Land. Dort ist laut Studie der Anteil jener, die sich freiwillig engagieren, besonders groß, selbst bei der Jugend. In den Gemeinden wissen die Bürgermeister, was sie an den Freiwilligenorganisationen haben.

Damit dieses Engagement weiter bestehen bleibt und gedeihen kann, braucht es aber die richtigen Rahmenbedingungen. Da ist einmal die gesellschaftliche Haltung, die Solidarität vor puren Eigennutz stellt, die Freiwilligkeit nicht als Dummheit ansieht, sondern als hohes Gut anerkennt. Es braucht aber auch praktische Rahmenbedingungen. In Zeiten hoher Arbeitslosigkeit und immer unsicherer werdender Arbeitsplätze, von härterem Wettbewerb und reinem Kostendenken wird es immer schwieriger, ehrenamtlich tätig zu werden. Ein Feuerwehrmann, der immer wieder mitten aus der Arbeit zum Einsatz gerufen wird, riskiert mitunter seinen Job und damit seine Existenz. Auch dem Unternehmer, vor allem in Kleinbetrieben, ist es nicht zumutbar, die Lasten dieses Engagements allein zu tragen. Daher fordern die Freiwilligenorganisationen zu Recht, dass diese Risiken und Nachteile minimiert werden. Das sollte es uns in jeder Hinsicht „wert“ sein.