Judenhass darf bei uns keinen Platz haben - auch nicht in Moscheen

22.11.2016

Ein Islam europäischer Prägung sollte gefördert und Antisemitismus in der islamischen Lehre nicht mehr akzeptiert werden. Dazu braucht es von beiden Seiten Ehrlichkeit.

„Prophetenmörder“, „Affen und Schweine“, „tötet sie, wo ihr sie findet“ – diese Aussagen des Koran zu den Juden machen der jüdischen Gemeinde in Wien große Sorgen. Und die Angst und Sorge nimmt zu. Das wurde einem bei einer kürzlich abgehaltenen, sehr ungewöhnlichen Diskussion in der Kultusgemeinde erschreckend klar. In Wien würden jüdische Kinder von Muslimen gemobbt, man sei allgemein einem zunehmenden Antisemitismus von dieser Seite ausgesetzt. Die Kultusgemeinde bewertet den interkonfessionellen Dialog als verlogen, weil man zwar nett plaudere, aber Resultate fehlten. Das bestätigten prominente muslimische Wissenschaftler aus dem deutschsprachigen Raum, die zum Gespräch geladen waren.

Mit Beklemmung bekam man zu hören, dass die Judenfeindlichkeit des Koran, der aus dem 7. Jahrhundert und aus einem anderen Kontext stammt, noch heute in der Lehre eine zentrale Rolle spielt. Der syrisch-stämmige Politologe Bassam Tibi bekennt freimütig, dass er in Damaskus als Judenhasser erzogen worden sei und sich erst durch seine jüdischen Lehrer in Deutschland gewandelt habe. Und der gebürtige Algerier und Islamwissenschaftler Abdel-Hakim Ourghi erzählt, dass er erst in Europa gelernt habe, dass „Juden auch Menschen“ seien. Die islamische Lehre sei noch heute extrem judenfeindlich, in etlichen Suren, die täglich gebetet werden, werde zur Gewalt gegen Juden aufgerufen. In Ägypten und zunehmend in der Türkei werde der Hass gepredigt. Auch in den heimischen Moscheen sei nicht nur Friedliebendes zu hören. Viele Imame würden in der Öffentlichkeit einen offenen und in den Moscheen einen radikalen Islam vertreten, meint Ourghi. Der Religionspädagoge Ednan Aslan fand in aktuellen österreichischen Schulbüchern für den islamischen Religionsunterricht Texte, die die Kinder zur Gewalt gegen Juden und Christen aufrufen.

Wie kann es sein, so fragt man sich, dass mitten in Österreich im 21. Jahrhundert zur Gewalt aufgerufen werden darf? Wozu gibt es den Verhetzungsparagrafen eigentlich? Derartige Aussagen erfüllen doch diesen Straftatbestand? Warum ist noch nie Anzeige erstattet oder in irgend einer Weise dagegen vorgegangen worden? Nur aus Angst, mit der „Islamophobie“-Keule geprügelt zu werden? Allein deshalb gilt der Rechtsstaat nicht mehr? Mit dem Verleugnen und Wegschauen erweist man der Integration jedenfalls einen schlechten Dienst. Wie sollen gläubige Muslime und deren Kinder, die schon seit Jahrzehnten hier leben, jemals in unserer Gesellschaft ankommen, wenn sie jeden Freitag hören und Gebete sprechen, dass sie ihre andersgläubigen Nachbarn und Arbeitskollegen verachten, hassen oder gegen sie gewaltsam vorgehen sollen?

Es ist anzunehmen und zu hoffen, dass die Mehrzahl der Gläubigen diesen Imamen und Koransuren nicht folgen und an einem friedlichen Miteinander interessiert sind. Dies gilt auch für die Repräsentanten der Muslime, Imame und Religionslehrer. Viele von ihnen fordern, den Koran neu zu interpretieren. Sie wollen einen Islam europäischer Prägung, der sich zu Pluralität und den Menschenrechten bekennt. Diese innerislamische Debatte ist sehr begrüßenswert, aber zu wenig. Man müsste gegen Antisemitismus auch entschlossen vorgehen. Das gilt vor allem für die Politik. Es muss klar sein, wo die Grenzen liegen und dass der Rechtsstaat überall gilt, auch in den Moscheen. Und man sollte jene Kräfte fördern, die sich für einen europäisch geprägten Islam einsetzen. Die Islamische Glaubensgemeinschaft ist offenbar nicht der richtige Partner, zumindest nicht in der aktuellen Zusammensetzung. Sie beschränkt sich auf Schönfärberei.

Die Reformer fordern die Muslime zu mehr Ehrlichkeit im Dialog und zum Aufgeben der Opferrolle auf. Es braucht diese Ehrlichkeit auch bei uns: Sich gegen die „Rechten“ zu empören und gleichzeitig wüsten Antisemitismus ungestraft hinzunehmen, ist verlogen. Wir haben eine besondere Verantwortung, die jüdische Gemeinde in diesem Land nicht im Stich zu lassen.