Die beste Krankenkasse für alle! Wo ist da das Problem?

04.10.2016

Die Diskussion um Krankenkassen und Ärzte wird aus der falschen Perspektive geführt, nämlich nicht aus jener der Patienten.

Das Thema ist uns seit Jahrzehnten vertraut: Die Misere der Gebietskrankenkassen. Nun spitzt sich die Situation für die Patienten aber immer mehr zu. Immer weniger Ärzte sind bereit, auf Basis dieses Kassentarifs zu arbeiten. Betraf das Problem bisher vor allem ländliche Regionen und Allgemeinmediziner, so hat es sich nun auch auf städtische Gebiete und Fachärzte ausgebreitet. Kassenärzte hören frühzeitig auf, Kassenstellen können oft nicht mehr nachbesetzt werden. Im Gegenzug gibt es immer mehr Wahlärzte, die alle Kassen akzeptieren, bloß keine Gebietskrankenkasse. Als Patient fragt man sich, warum eigentlich? Über die Jahrzehnte haben die GKK den Ärzten immer mehr das Wasser abgegraben, die Tarife sind so niedrig, dass diese zur Fließbandarbeit gezwungen sind. Das ist unbefriedigend im Hinblick auf Qualität und Heilungserfolg sowohl bei Patienten als auch bei Ärzten. Was das Fass aber offenbar zum Überlaufen gebracht hat, sind die übertriebenen Kontrollen. Diese zeugen nicht nur von einem Generalverdacht, dass alle Ärzte Betrüger seien, sondern zerstören auch das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient. Dass dieses aber die wichtigste Grundlage für eine erfolgreiche Behandlung ist, belegen mittlerweile zahlreiche Studien.

 Bei den GKK ging man dazu über, nicht bloß Abrechnungen zu überprüfen, sondern schickt „Mystery Shopper“ los, also eine Art verdeckte Ermittler. Die geben sich als Patienten aus, simulieren Krankheiten oder fordern eine Krankschreibung. Dies führte in der Ärzteschaft zu heller Empörung. Oder man fängt Patienten nach dem Arztbesuch auf der Straße ab oder belästigt sie zu Hause und befragt sie über ihren Arztbesuch. Auch Betriebe werden oft schikanös überprüft oder Selbstständige einfach zu Angestellten erklärt, damit hohe Summen nachgefordert werden können.

Diese grotesken Maßnahmen verdecken, dass das Problem nicht allein bei den Betrieben, Ärzten und Patienten zu finden ist, sondern vor allem bei den Krankenkassen selbst. Diese sind kein Selbstzweck, sondern eine reine Verwaltungsinstitution im Dienste der Patienten. Daher sollten sie möglichst günstig, effizient und gut arbeiten. Tun sie aber nicht. Denn wozu gibt es für jedes einzelne Bundesland, ja sogar für etliche Berufsgruppen eigene Kassen? Wieso schaffen es manche, ausgeglichen und zur Zufriedenheit ihrer Kunden zu arbeiten, und manche sind immer schwer defizitär?

Statt Unternehmer in den Ruin zu treiben, Ärzte zu bespitzeln und Patienten zu belästigen, sollten die Kassen also besser an sich selbst arbeiten. Am Gesetzgeber liegt es, endlich den Standort zu wechseln und nicht die Interessen der aufgeblähten, geldfressenden Gebietskassen mit ihren Pfründen zu vertreten, sondern sich auf die Seite der Patienten zu stellen, denn mittlerweile steht die Gesundheitsversorgung der Bürger auf dem Spiel. Zwangskunden der GKK finden kaum mehr Vetragsärzte mit freien Terminen. Sie müssen dann Wahlärzte privat bezahlen, zusätzlich zu ihren Kassenbeiträgen, für die sie keine Leistung erhalten.

Die Lösung wäre, würde man die Sache aus Patientensicht angehen, relativ einfach: Entweder es gibt eine Versicherungspflicht mit einer freien Wahl der Kasse, wie etwa in der Schweiz. Das würde zu einem Wettbewerb und zu Effizienzsteigerungen führen. Oder es gibt eine Einheitskasse für alle, die nach dem best practice Modell gestaltet wird. So etwa schafft es die Kasse der Gewerbetreibenden, positiv zu bilanzieren, die Patienten haben freie Arztwahl, und die Ärzte nehmen diese Kasse sehr gerne. Der Selbstbehalt, der zu zahlen ist, schafft bei Patienten ein Kostenbewusstsein und dient gleichzeitig der Kontrolle im Hinblick auf die ärztlichen Leistungen. So erspart man sich ein schädliches Spitzelsystem. Es gibt zusätzlich eine „Belohnung“ bei gesunder Lebensführung, indem der Selbstbehalt halbiert wird. Ein Modell, noch nicht ideal, das aber nähere Betrachtung und Ausweitung verdient.