Jobs, Jobs, Jobs: Wie die Regierung für ein Beschäftigungswunder sorgt

30.12.2015

Endlich hat die Regierung ein Rezept gegen die Arbeitslosigkeit und nimmt die Sache selbst in die Hand.

Zur Erinnerung: Herr Juraczka ist jener Herr, der für die Wiener ÖVP antrat und verlor, nun werkt er als Klubobmann. Vor wenigen Monaten versprach er im Wiener Wahlkampf, 20.000 Jobs zu schaffen. Dafür erntete er medial viel Häme: Jobs schaffe immer noch die Wirtschaft und kein Politiker. Dabei tat man diesem hellsichtigen Mann bitter Unrecht. Die Bundesregierung hat seine Anregung nämlich aufgegriffen und ist drauf und dran, diesen kühnen Plan umzusetzen. Da nämlich die Wirtschaft derzeit zu zögerlich ist und zu wenig investiert, nimmt sie die Sache beherzt selbst in die Hand. Sie ist nicht nur fest entschlossen, selbst Jobs zu schaffen, sondern auch die Wirtschaft streng dazu anzuhalten, zu animieren, ja zu zwingen.

Wie das geht? Ganz einfach: Man erlasse Verordnungen und kreiere neue Gesetze, möglichst kompliziert müssen sie sein, und schon boomen etliche Branchen geradezu. Da sind etwa die Anwaltskanzleien, besonders jene, die auf Steuer- und Wirtschaftsrecht spezialisiert sind. Diese nehmen laufend Personal auf, weil die Nachfrage nach Beratungen sonst nicht mehr zu decken ist. Die gesetzlichen Vorschriften in diesem Bereich sind nämlich derart kompliziert, ständig gibt es Novellen, dazu kommen noch laufend neue EU-Richtlinien, Normen und was es da sonst noch alles gibt, wodurch man für jede unternehmerische Entscheidung ein Heer von Spezialisten braucht. Selbst Kleinunternehmer kommen heutzutage nicht mehr ohne anwaltliche Beratung aus.

Gleiches gilt für die Steuerberatungskanzleien, die ebenfalls mit der Arbeit kaum nachkommen und wie die Pilze aus dem Boden sprießen. Kaum ein selbstständig Erwerbstätiger ist heute mehr in der Lage, allein seine Einkommenssteuererklärung auszufüllen. Oft sind sich nicht einmal Steuerberater und Finanzbeamte klar darüber oder einig, wie das jetzt genau geht. Es ist selbst für Experten eine Herausforderung, auf dem Laufenden zu bleiben und die aktuelle Gesetzeslage zu überblicken. Die Folge ist, dass sie mehr Personal brauchen, und zwar qualifiziertes, ganz wie es der weise Ratschluss der Regierung in seinem Masterplan vorgesehen hat.

Diese geniale Strategie wird im kommenden Jahr auch auf die Immobilienbranche ausgeweitet: Architekten und Baumeister sind laufend herausgefordert, die aktuell in ihrem Bundesland gültigen Bauvorschriften nicht nur richtig anzuwenden, sondern überhaupt zu überblicken. Die Folge: Man braucht mehr Mitarbeiter. Und dazu kommt jetzt noch die Heerschar an Sachverständigen, die die Immobilien schätzen müssen, so man vorhat sie zu vererben oder zu verschenken. Das ist die eigentliche Motivation, die Einheitswerte abzuschaffen, wo es bloß einen Notar brauchte. Das schafft Jobs, das ermuntert zu Investitionen.

Oder man nehme das leidige Thema Registrierkassenpflicht: Hersteller, Softwareentwickler und Systembetreuer erfreuen sich einer unerwartet guten Auftragslage. Ja man kommt mit der Produktion und Lieferung gar nicht mehr nach, weshalb das endgültige Inkrafttreten des Gesetzes sogar um ein halbes Jahr verschoben werden musste. Hier wurden nachweislich Jobs geschaffen.

Sogar aus der Flüchtlingskrise versteht es die Weisheit unserer Regierung, einen Impuls für Wirtschaft und Arbeitsmarkt zu machen: Hunderte Polizisten braucht man zusätzlich für die Grenzkontrollen und die Sicherheit im Inneren, dazu Bundesheer-Angehörige, sowie Security-Mitarbeiter für die Unterkünfte. Die Baubranche, die sich auf schnell zu errichtende Fertigteil-Häuser spezialisiert hat, boomt und kommt mit der Produktion nicht nach. Dazu kommen Dolmetscher, Lehrer, Kindergarten-Pädagoginnen, Sozialarbeiter und was es sonst noch an Personal für eine gelungene Integration braucht. Eine absolute Win-win-Situation.

Zählt man alle diese Positionen zusammen, kommt man locker auf 20.000 Jobs. Nun könnten Böswillige einwenden, dies alles sei nicht produktiv, verschlinge bloß Steuergeld. Aber das stimmt nicht. Schließlich rechnet man uns seit Jahrzehnten vor, dass der Staat einfach mehr ausgeben müsse, und dann springe die Wirtschaft an. Einfach genial!