Der Staat fördert Alterswohlstand zulasten der Jungen

24.11.2015

Unser Wohlfahrtsstaat verteilt von Jung zu Alt. Dort ist auch die relative Mehrheit der Wähler zu finden. Dieser Mechanismus schadet jedoch beiden.

Mehr als 400.000 Kinder in Österreich sind arm oder von Armut bedroht. So erfuhr man aus einer kürzlich veröffentlichten Statistik. Eine Meldung, die keine Diskussion auslöste, jedoch eine nähere Betrachtung verdient. Hauptbetroffen von Kinderarmut sind einerseits Kinder von Alleinerzieherinnen. Andererseits sind es Kinder von Migranten, Armut ist durch die zunehmenden Migrationsströme also auch importiert.

Im Gegenzug stellte die OECD fest, dass Österreichs Pensionisten im europäischen Vergleich recht gut abschneiden: Sie gehen früher in Pension und erhalten relativ hohe Pensionen – im Schnitt, wohlgemerkt, denn auch hier gibt es viele, vor allem Frauen, die von einer Mindestpension leben müssen. Dazu kommt die Tatsache, dass die Jungen von den einbezahlten Pensionsbeiträgen selbst nur in geringem Ausmaß profitieren werden.

Noch stärker fällt die Diskrepanz naturgemäß beim Vermögen aus, das mit dem Alter zunimmt. Heute ist Vermögen kaum mehr durch Arbeit zu erwirtschaften, sondern meist nur mehr durch Erben. Aufgrund der hohen Lebenserwartung erbt jedoch eher die Generation 60plus als die der Jungen.

Der Wohlfahrtsstaat, der ja für einen Ausgleich zwischen Wohlhabenden und Ärmeren sorgen sollte, ist jedoch völlig anders angelegt: Kinder, so wissen wir, sind generell ein Armutsrisiko, auch wenn zum Glück nicht alle Familien arm sind. Eine Alleinerzieherin mit zwei Kindern, die Teilzeit arbeitet und deren Ex-Mann die Alimente nicht zahlt, muss in öffentlichen Verkehrsmitteln und bei Eintritten Vollpreis bezahlen. Ein hoher Beamter im Ruhestand mit einem Vielfachen an Einkommen fährt Halbpreis. Für die Ermäßigung zählt nämlich allein das Alter.

Die Schieflage ist besonders drastisch im Bereich des Wohnens: Währende Ältere eher im abbezahlten Eigentum wohnen oder in extrem günstigen Mietwohnungen (Stichwort Altverträge), müssen Jüngere um ein Vielfaches höhere Mieten zahlen. Das führt zum absurden Zustand, dass mitunter alte alleinstehende Menschen um 200 Euro in 150 Quadratmeter großen Altbauwohnungen wohnen, während Junge um diesen Preis nicht einmal ein WG-Zimmer mieten können. Die Alten können aber gar nicht übersiedeln, selbst wenn sie wollten, denn eine neue, kleinere und bequemere Wohnung mit Lift würde sie wesentlich mehr kosten. Somit schafft der Staat durch ein ungerechtes Mietrecht künstlich eine Wohnungsnot.

Gravierend ist die Benachteiligung der Jungen auch bei der Bezahlung: Durch die Biennien verdienen Ältere ungleich mehr als Junge mit einem sehr geringen Einstiegsgehalt. Dieser steile und sachlich nicht gerechtfertigte Anstieg der Einkommenskurve schadet beiden: Die Jungen verdienen für eine Existenzgründung zu wenig und die Älteren werden gekündigt, weil sie zu teuer sind. Ein Vermögensaufbau aus eigener Kraft ist für Junge kaum mehr möglich. Dafür sorgen oft unsichere oder prekäre Beschäftigungsverhältnisse und leistungsfeindliche Steuern. Der Wohlfahrtsstaat gleicht hier nicht aus, sondern verstärkt die Ungleichheit noch.

Einen Ausgleich schafft die Familie: Eltern und Großeltern federn, sofern möglich, die Härten ab, helfen finanziell etwa beim Erwerb einer Wohnung, beim Hausbau oder bei den Kosten für die Kinder aus. Ohne die Solidarität in der Großfamilie wären noch mehr Junge, noch mehr Familien von akuter Armut bedroht.

Die Chancen, dass sich die Politik ändert, stehen gering. Ein Signal ist etwa, dass zur Entlastung der Unternehmer der Beitrag für den Familienlastenausgleich gekürzt wurde, der umstrittene Wohnbauförderungsbeitrag blieb jedoch in voller Höhe erhalten. Die Älteren bilden eine bedeutende Wählerschicht, daher machen die Parteien eher Politik für Pensionisten. Allerdings vergisst man dabei, dass viele Ältere auch Großeltern sind, die sich um die Zukunft der Jugend sorgen, und dass beide Seiten profitieren, wenn Ungerechtigkeiten beseitigt würden. Es wäre höchst an der Zeit, dass der Generationenvertrag auch von der Politik nicht mehr nur einseitig betrachtet würde.