Flüchtlinge: Frauen und Mädchen brauchen ebenso Schutz und Hilfe

14.09.2015

Der Großteil der nach Europa Geflüchteten sind Männer. Frauen sind in der Krisenregion zurück geblieben und größter Gefahr ausgesetzt.

Die aufwühlenden Bilder von den Flüchtlingsströmen in Europa zeigen auch eines deutlich: Es machten sich vor allem Männer auf den Weg. Die Statistik bestätigt, dass vier Fünftel der Asylanträge in Österreich von Männern und männlichen Jugendlichen stammen, vorwiegend aus Syrien und Afghanistan. Doch was ist aus den Frauen und Mädchen geworden?

Von Flüchtlingsbetreuern wird berichtet, dass die Familien oft nur das Geld für eine Person aufbringen können, der sie die Flucht ermöglichen. Die jungen Männer würden fliehen, weil sie nicht in Assads Armee oder beim IS gegen das eigene Volk kämpfen wollten. Ein verständliches Motiv. Wir hoffen, dass keine IS-Abgesandten unter ihnen sind. Doch was ist mit den Frauen und Mädchen?

Syrien zählt für Frauen zu einer der gefährlichsten Gegenden der Welt. Sie sind nicht nur durch den Krieg, sondern auch durch die Islamisierung bedroht. In der islamischen Welt, allen voran in Ägypten und im Jemen, sind Frauen in vielfacher Weise unterdrückt und in ihren Menschrechten verletzt: Einschränkung der Bewegungsfreiheit, sexuelle Belästigung auf der Straße, Zwangsehe, Zwang zur Verschleierung, häusliche Gewalt, eine der grausamsten die Genitalverstümmelung an Mädchen. 90 Prozent (!) der Frauen in Ägypten wurden auf diese Weise von ihren Familien gefoltert. All diese Praktiken werden nun auch in Syrien angewendet, in den vom IS kontrollierten Gebieten wird zusätzlich die Scharia praktiziert. Dazu kommt im Kriegsgebiet die unmittelbare Bedrohung des Lebens, die Verschleppung und Zwangsverheiratung durch IS-Krieger und massenweise Vergewaltigungen.

Gelingt es ihnen aus Syrien zu fliehen, so sind die Frauen und Mädchen in den angrenzenden Ländern keineswegs in Sicherheit. In den überfüllten Flüchtlingslagern sind sexuelle Belästigung und Vergewaltigung auf der Tagesordnung. Die Opfer sind entehrt und werden von ihren Familien verstoßen. Auch werden Frauen immer mehr zur Ware, weil sie in ihrer Notlage als billige Zweit- oder Drittfrauen für Männer aus Saudi-Arabien herhalten müssen. Ihr aktueller Brautpreis beträgt derzeit den Gegenwert eines Sacks Kartoffeln. Wird ihr Mann ihnen überdrüssig, kann er sie verstoßen, ihr Status gleicht der einer Prostituierten.

Es ist zu begrüßen, dass die Menschen, denen die Flucht nach Europa geglückt ist, hier menschenwürdig aufgenommen werden. Aber wir dürfen dabei nicht aus den Augen verlieren, dass die in Syrien und in riesigen Flüchtlingslagern zurück gelassenen Frauen und Kinder ebenso schutzwürdig und hilfsbedürftig sind, ja in noch größerem Ausmaß. Im Libanon, in Jordanien, im Irak und in der Südtürkei leben Millionen in Lagern. Daher braucht es unbedingt rasche Hilfe und Unterstützung in der Krisenregion selbst. Hier gilt es ebenso zu helfen, nicht nur, damit sich diese Menschen nicht auch noch auf den Weg nach Europa machen, sondern um den bedrängten Frauen und Kindern beizustehen. Denn sonst sind wiederum die Frauen jene, die am meisten leiden müssen und deren Leid übersehen wird. Und wir müssen achtsam sein, dass nicht durch von Saudi-Arabien finanzierte Moscheen in Europa die grausame Unterdrückung der Frauen nach Europa exportiert wird.

 

Geholfen wird in Österreich in beeindruckender Weise, auch wenn die Bürokratie oft Hilfe erschwert oder unmöglich macht. So gibt es etwa eine große Zahl an Quartierangeboten, die aber entweder abgelehnt oder nicht einmal geprüft werden. Viele Bürger, die privat Flüchtlinge beherbergen wollen, erhalten nicht einmal eine Antwort auf ihr Angebot. Auch wurde der Großteil der Angebote kirchlicher Einrichtungen abgelehnt. Es ist schwer verständlich, warum etwa der Gästetrakt eines Klosters nicht als Flüchtlingsquartier in Frage kommt, gleichzeitig aber Asylsuchende in Zelten oder gar im Freien schlafen müssen. Es mangelt also nicht an Quartieren, sondern es gibt zu viel Bürokratie.