Kind auf Bestellung: Gekaufte Babys und „geerntete“ Eizellen

02.09.2015

Statt Vermutungen, Schönfärbereien oder Horror-Szenarien zu erliegen, hat Eva Maria Bachinger in ihrem neuen Buch einfach gründlich recherchiert .

Im Frühjahr wurde das Fortpflanzungsmedizingesetz in Österreich novelliert. Seither ist es erlaubt, in vitro gezeugte Embryonen auf Behinderungen zu untersuchen und Eizellen zu „spenden“. Eine öffentliche Diskussion zu dem äußerst sensiblen und komplexen Thema wurde kaum geführt, das Gesetz im Ho-Ruck-Verfahren durchgepeitscht. Bedenken wurden einfach vom Tisch gewischt und als „reaktionär“ abgetan. Kaum ein Abgeordneter durchblickte die Materie, der er zustimmte. Die Politik verließ sich auf die Empfehlung einer Mehrheit der Bioethikkommission und die einflussreiche Fortpflanzungsmedizin-Lobby.

Diese öffentliche Debatte ist nun neu entflammt und sollte dringend breit geführt werden. In ihrem kürzlich erschienenen Buch „Kind auf Bestellung“ beschreibt die Publizistin Eva Maria Bachinger, was Kritiker des neuen Gesetzes befürchtet hatten und es geht noch darüber hinaus. Die Autorin ließ sich nicht von Hochglanzprospekten der Fortpflanzungs-Kliniken blenden, nicht von Eiferern unter den Kritikern beeinflussen oder vom medialen Hype um glückliche Wunschbaby-Eltern blenden. Sie hat einfach gründlich recherchiert und vor allem mit den Betroffenen gesprochen: Nicht nur mit Wunscheltern und Fortpflanzungsmedizinern, sondern auch mit Leihmüttern in Osteuropa, mit Frauen, die ihre Eizellen verkaufen und mit Experten, die das Geschehen kritisch verfolgen.

So etwa ging sie dem Fall eines homosexuellen Paares nach, das mithilfe eines russischen Fortpflanzungsinstitutes zu einem Baby gekommen ist. Freimütig beschreiben die beiden das Prozedere: Zuerst wurde die „passende“ Eizelle nach Augenfarbe, Haarfarbe und Größe der Mutter ausgewählt. Man brauchte zwei Jahre, mehrere Eizelllieferantinnen und zwei Leihmütter, bis schließlich der bestellte Sohn – ein Mädchen hatte man ausgeschlossen – auf die Welt kam. Als Geburtsort wählte man Tschechien, weil Russland zu homophob sei. Die österreichische Botschaft in Prag weigerte sich zuerst, einen Reisepass für das Kind auszustellen, weil man eine Leihmutterschaft vermutete. Doch das Paar beharrte darauf, dass es natürlich gezeugt worden war und drohte mit den Medien. Mehr als 60.000 Euro kostete das Wunschkind, 20.000 davon erhielt die Leihmutter.

Leihmutterschaft ist in Österreich zwar – noch – verboten, aber offenbar die im Ausland daraus entstandenen Kinder trotzdem legalisiert und nicht geahndet. Fortpflanzungsmediziner fordern die Legalisierung in Österreich bereits ein, damit Österreicher nicht mehr ins Ausland gehen müssten. Doch sie werden es trotzdem tun, wie Bachinger analysiert, weil dies nach marktwirtschaftlichen Prinzipien funktioniert. Selbst in Ländern, in denen Leihmutterschaft erlaubt ist, suchen schon jetzt Paare nach billigeren Alternativen im Ausland.

Aufschlussreich sind Bachingers Recherchen auch im Hinblick auf die Eizell-„Spende“, die in Österreich nur aus altruistischen Motiven erlaubt ist. Die Vermutung der Kritiker, dass sich kaum eine Frau diesen massiven Eingriff in ihren Körper unentgeltlich antun würde, bestätigt sich: Es gibt kaum echte Spenderinnen. Das Gesetz hat aber eine Grauzone geschaffen, indem eine „Aufwandsentschädigung“ erlaubt wurde. In der Praxis sind das zwischen 1000 und 1500 Euro pro „Ernte“, wie es im Fachjargon genannt wird. Ein Betrag, der etwa für junge Frauen aus Osteuropa sehr attraktiv ist. Auf die Risiken wird von den Instituten kaum hingewiesen, diese werden im Gegenteil herunter gespielt: Es komme so gut wie nie zu Überstimulationen, die Eizellentnahme sei ein harmloser Eingriff, gesundheitliche Folgeschäden gebe es keine.

Was es tatsächlich nicht gibt, sind  Studien zu den Folgeschäden für Leihmütter und Eizelllieferantinnen. Ihr Schicksal interessiert weder die Wunscheltern und die Institute,  die unglaubliche Gewinnspannen einfahren, noch die Medien. Bachingers fundiertes Buch ist nicht nur für Kritiker der Fortpflanzungsmedizin aufschlussreich, sondern sei all jenen Politikerinnen und Politikern ans Herz gelegt, die vorgeben, es ginge ihnen um das Wohl der Frauen und Kinder.